Schwangerschaftsabbruch - was habe ich nur getan?

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Lonely
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User offline. Last seen 27 Minuten 9 Sekunden ago. Offline
Beigetreten: 13.02.2020

Hallo zusammen,

mein Schwangerschaftsabbruch ist jetzt genau 1 Woche her und es zerfrisst mich. Ich bin 31 jahre, bin verheiratet und habe 2 wunderbare Kinder. Alles war perfekt und wir waren glücklich. Nach Kind Nummer 2 waren mein Mann und ich uns einig das wir keine Kinder mehr wollen. Doch dann hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand und war unter Schock. Mein kleiner ist gerade 1,5 Jahre und ich habe erst angefangen wieder zu arbeiten, wieder ein wenig Ich als Frau sein und nicht nur Mama. Als ich es meinem Mann sagte konnte ich in seinem Gesicht ablesen das er nicht begeistert war. Also ging die Machinerie Schwangerschaftsabbruch in die Gänge. Ich habe mir vorgestellt wie es mit einem 3. Kind sein würde und wie schwierig es wäre. Der kleine wäre dann erst knapp über 2 Jahre und wer kinder hat weiss wie anstrengend es noch in dieser Zeit ist und wie viel Hilfe sie dort immer noch benötigen. Und dann hätte ich noch zusätzlich ein Neugeborenes auf dem Arm. Dazu kommt das mein großer dieses Jahr von der 4 in die 5. Klasse wechselt und auch er noch ein bisschen was von Mama haben will und gerade in dieser Zeit Evtl. mehr Aufmerksamkeit braucht und Hilfe. Ich war überfordert mit dem Gedanken in dieser Zeit noch ein 3. Kind zur Welt zu bringen. Mein Mann arbeitet sehr viel und wenn er zu Hause ist will er sich ausruhen, was ich auch verstehen kann. Aber somit bin ich mit den Kids viel alleine. Dazu muss ich auch sagen das ich 2 Mamakinder habe, die partout alles nur mit Mama machen möchten. Die Angst das ein weiteres Kind dazukommt hat mich wie gelähmt. Ich habe dann nur noch wie ein Roboter alle nötigen Gänge gemacht. Dann war es am Freitag soweit, ich habe alle Gedanken beiseite geschoben und dachte danach geht es mir besser und ich kann für meine Kinder wieder voll da sein. Doch seit dem Tag ist nichts mehr wie es war. Ich bin nur noch am weinen. Ich bin in einem gedankenkarussel gefangen und frage mich die ganze Zeit wieso ich das gemacht habe, wieso ich mit meinem Mann nicht gesprochen habe, ob wir nicht doch ein 3. Kind haben wollen. Ich sage mir ich hätte das schon irgendwie geschafft. Ich fühle mich wie eine leere Hülle und funktioniere nur noch. Ich vermisse dieses Kind so sehr und gehe die Zeit vom positiven Test bis zum Abbruch immer und immer wieder durch und frage mich wie ich so gefühllos entscheiden konnte?
Ich habe keinen Hunger mehr, keine Freude und frage mich ob das jetzt mein Leben ist? Nur noch existieren? Schlaflosigkeit. Ich muss einen Weg finden damit zurechtzukommen und abzuschließen, aber weiss noch nicht wie. Ich habe morgen einen Termin bei einer Psychologin bekommen und erhoffe mir so ein bisschen runter zu kommen.

Was mich auch noch sehr bedauern lässt ist die Beratung bei der Beratungsstelle und meiner Frauenärztin. Die Beratungsstelle war sehr neutral, also weder pro noch kontra. Was sie wahrscheinlich auch sein müssen. Aber die Dame dort ist mit keinem Wort auf den seelischen Schaden eingegangen, den so ein Abbruch mit sich bringt. Das hätte ich mir sehr gewünscht. Oder das bei diesen Beratungsstellen vlt auch die Möglichkeit besteht mit einer Frau zu sprechen, die einen Abbruch hinter sich hat und persönlich berichten kann. Ich für meinen Teil möchte jeder Frau erzählen, dass sie es nicht machen soll, damit ihnen der Schmerz den ich jetzt empfinde erspart bleibt. Ich glaube das würde vielen Frauen die Augen öffnen und evtl auch die Meinung umstimmen. Auch meine Frauenärztin hat sehr kalt einfach nur den Termin geplant und mit keinem Wort die seelischen Wunden erwähnt. Ich wünsche mir immer noch die Tage vor dem Termin zurück und das mir jemand gesagt hätte, es wird schon werden, mach es nicht. Ich war sehr alleine mit dieser Entscheidung und so fühle ich mich jetzt auch. Mein Mann versteht nicht was mit mir los ist und möchte zu dem Punkt von davor zurückkehren, aber das ist für mich nicht möglich. Ich muss die ganze Zeit an das denken was wir gedankenlos weggegeben haben und was ich verloren habe. Ich bin in der Vergangenheit gefangen und habe Schuldgefühle diesem Baby nicht die Chance auf ein Leben gegeben zu haben.

Das alles einmal aufzuschreiben tut gut.

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Sanne
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User offline. Last seen 37 Minuten 25 Sekunden ago. Offline
Beigetreten: 10.05.2014
Liebe mitfühlende Grüße

Du Liebe,
von Herzen mein tiefes Mitgefühl für dich liebdrueck Es macht mich sehr betroffen, wie verzweifelt du gewesen bist und wie sehr du diesen Schritt der Abtreibung heute bereust. Vielleicht ist die Abtreibung noch nicht lange her - oder du trägst alles schon länger mit dir herum - und du bist deine Last hier zum ersten Mal losgeworden. Der Schock, unter den manche Frauen bei der plötzlichen Nachricht einer ungewollten Schwangerschaft stehen, ist sehr groß. Da kommt es oft vor, dass Frauen sich wie in einem Tunnel befinden und sich gar nicht mehr richtig spüren. So ging es auch dir und es tut mir sehr, sehr leid. Du darfst wissen, du bist nicht alleine damit, wie es dir jetzt geht… Und du hast es dir bestimmt nicht leicht gemacht.

Heute bist du bei einer Psychologin - vielleicht schon gewesen. Sie hat hoffentlich viel Verständnis für dich und wird dich gut begleiten. Hast du sonst liebe Menschen in deinem Umfeld, mit denen du sprechen kannst?!
Ich wünsche dir sehr, dass du dir Zeit lassen kannst, um das Geschehene zu verarbeiten und um ganz langsam wieder Mut und Hoffnung findest.

Alles, alles Liebe für dich!

Yom
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Beigetreten: 03.02.2020
Hallo, ich wollte gerne auch

Hallo, ich wollte gerne auch mein Mitgefühl und mein Mitttrauern bekunden.
Es muss schrecklich sein, was du durchgehst.
Ich glaube dir, dass es dir an Verständnis aus der Umgebung fehlt.
Hilft dir vlt der Gedanke daran, dass die kleine Seele bei Gott ist?
Das ist sehr gut, dass du dir Hilfe von außerhalb suchst und auch hier im Forum dich ausspricht! Es gibt Menschen, die dir die Schulter zum anlehnen bieten können, die du brauchst - das machst du gut, diese zu suchen!
Alles Liebe wünsche ich dir und deiner Familie und viel Trost!
Yom