Hallo liebe alle,
Ich habe nie gedacht jemals in so einer Situation zu sein, oder einen Beitrag in ein Forum zu schreiben. Heute ist es so weit.
Ich weiß nicht mehr weiter und kann mich selbst nicht mehr hören. Daher meine Situation:
Mein Freund und ich sind seit 4 Monaten zusammen. Wir kennen uns seit 11 Jahren und hatten vor 9 Jahren einige Monate eine Art Affäre, in der wir uns verliebt hatten. Viel Frame und Tränen und er der sagte er möchte nicht mit mir zusammen sein. Wir haben uns nie ganz aus den Augen verloren. Jahre nicht gesehen und dann vor über einem Jahr haben wir wieder zueinander gefunden. Auch hier war es nicht leicht aber seit 4 Monaten sind wir ein Paar und unglaublich glücklich. Trotz Fernbeziehung (400 Kilometer), obwohl er ein Kind (8) mit der Frau hat, wegen der es damals zwischen uns nicht geklappt hat.
Alles egal, wir wollten nächstes Jahr zusammen ziehen und haben über Hochzeit usw gesprochen.
Vor knapp 4 Wochen habe ich festgestellt, dass ich schwanger bin. Und war schockiert. Ich bin 34 Jahre alt und in meinem Leben gab es nie einen Kinderwunsch. Mit ihm konnte ich es mir zwar aufeinmal vorstellen, aber da war kein „Ich möchte unbedingt Kinder mit ihm“. Eine Woche später als er zu mir kam habe ich es ihm gesagt und die erste Reaktion war besser als erwartet. Er hat gesagt er freut sich, er sagte es ist was schönes, wir haben Leben gezaubert und er läuft nicht weg. Das hat mir Mut gemacht. Zwei Tage später kam sein Zusammenbruch und er meinte er schafft das nicht und hat mich gebeten das Kind nicht zu bekommen.
Ich dachte er braucht einfach ein wenig Zeit.
Ich war beim Arzt, bei pro familia um mir alle Möglichkeiten anzuhören und an dem Tag nach der Beratung haben wir böse gestritten und er meinte er würde lieber sterben als dieses Kind mit mir zu bekommen. Da ist etwas in mir zerbrochen. Zwei Tage später hatte ich einen Ultraschall und habe das Herz gesehen und ich habe mich unglaublich auf mein Baby gefreut. Und war zeitgleich so traurig, dass ich den Moment nicht mit ihm teilen konnte.
Am Wochenende darauf war ich bei ihm. Wir haben 3 Tage geredet, geweint, ich habe ihm verschiedenen Lösungen aufgezeigt. Aber er sagt er kann nicht. Auf die Frage ob er nicht will oder nicht kann sagte er immer wieder er würde so gerne, aber er kann nicht.
Er will erst sein Leben regeln, einen anderen Job finden, sein Haus los werden, mit mir Zeit verbringen. Wir sollten uns besser kennenlernen, usw.
Ich denke nicht, dass es Sinn macht darauf zu hoffen, dass er seine Meinung ändert. Er liebt mich, aber er ist nicht bereit. Er versprach mir ein Leben mit ihm, Hochzeit und vielleicht später Kinder. Er sagte sogar er könnte es sich vorstellen aber eben nicht jetzt. Aber versprechen kann er es mir nicht…
Und ich zerbreche an der Entscheidung mein Kind oder meine Beziehung.
Und daran wie ich es alleine mit dem Kind schaffen soll.
Ich denke an einen Abbruch. Und gleichzeitig an mein Baby, dass ich jetzt schon liebe.
Ich finde momentan keinen Weg. Und schon gar keinen Weg ohne ihn, obwohl ich doch eigentlich so stark bin.
Ich wünsche mir so sehr, dass wir es versuchen, scheitern können wir immer noch. Aber seine Haltung ist ganz klar, wenn ich das Kind bekomme, muss ich es alleine machen.
Hallo Tani,
mich hat deine Geschichte an die Geschichte einer Bekannten erinnert, die sie mir mal an einem Abend erzählt hat. Zauberhaft, wie ihr wieder zusammengekommen seid.
Und auf eine Art auch zauberhaft, dass du, die du dir nie ein Kind vorstellen konntest, nun dieses Kind möchtest. Und deshalb schreibst du in diesen Forum. – Was du auch nie gedacht hättest.
Ist voll gut, dass du schreibst! Sich selbst hören – ja, und dann braucht man einfach Resonanz.
Jetzt war seine erst gut, dann wieder nicht mehr.
Vielleicht kann oder konnte er sich auch selbst nicht mehr hören!?
Was will er denn, wenn er nicht mit dir dieses Kind bekommen möchte?
Wie stellt er sich sein weiteres Leben mit dir (?) vor?
Und wäre es für dich überhaupt noch möglich?
Für mich wirkt dieses überraschende Schwanken wie ein „Rückfall“ in Unsicherheit und wenig Selbstvertrauen. Er will, aber kann nicht.
Es hat nun so viel Zeit gebraucht, bis ihr euch wieder gefunden habt. Nun darf es auch Zeit brauchen, bis er seine Kraft wieder findet. Das andere Kind hat er auch. Das kann ihm einerseits Kraft geben: o.k., dann schaffe ich es auch mit der Frau, die ich liebe.
Oder genau das kann ihn aus der Spur bringen: Mit der Mutter von meinem Kind bin ich nicht mehr zusammen, ich bin kein guter Vater ... so was könnte er denken.
Und er kann auch neu denken. Es liegt an seiner mentalen Einstellung. Und auch an der Zeit. Da denkst du schon richtig.
Ich würde das Kind nicht aufgeben. Wenn er dich verlässt, hast du immerhin das Kind. Und eher verbindet es euch, als dass es euch trennt. Mag vielleicht zu schön klingen, um wahr zu sein. Trotzdem: Wir leben doch aus guten Vorstellungen.
Meine Freundin sagt: „Name ihres Kindes“ ist das Beste, was ich von ihm habe.
Dass ihr wieder zusammegekommen seid ist eine Wirklichkeit. Und sollte er nicht bleiben, weißt du, dass es nicht nur ein Traum war, wenn du dein Kind bei dir hast.
Du hast dich in ihm nicht total getäuscht. Da war/ist Liebe.
Und vielleicht merkt er auch, dass er sich nicht getäuscht hat und merkt, was er alles kann.
Kurz: Wenn du dich gegen das Kind entscheidest, vermutlich auch gegen die Beziehung.
Wenn du dich für das Kind entscheidest, entscheidest du dich für die Möglichkeit der Beziehung.
Verwirkliche du deine Überzeugung: Alles versuchen, wenn er nicht bleibt, dann ist es seine Entscheidung.
Auch für dich ist es eine Frage der Zeit, dass du einen Weg findest, wie du es auch alleine schaffen würdest.
Puh, das war jetzt viel ...
Ich möchte dich einfach ermutigen.
Für so viel, was gerade (wieder) neu ist zwischen euch beiden, ist ein Kind natürlich auch viel. Ich denke, euch beiden hilft Zeit! 🥰
Vielen Dank für deine Antwort.
Sie hilft mir ein kleines bisschen zu sehen, was ich auch schon gedacht habe.
Wenn ich den Abbruch wegen ihm mache, gegen das, was ich mir wirklich wünsche, werde ich es ihm vielleicht nie verzeihen, sein Kind hassen, weil meines nie leben konnte. Immer daran denken. Und wahrscheinlich würde die Beziehung zerbrechen, nicht mit Sicherheit. Aber es würde immer zwischen uns stehen.
Aber gleichzeitig habe ich so große Angst davor alleine mit dem Kind zu sein. Ohne ihn zu sein, schon wieder…
Mein Kind würde seinen Vater nicht kennen, weil er ganz klar sagt, dass er nichts damit zu tun haben will. Nicht, weil es ihn nicht interessiert. Sondern weil er nicht noch ein Kind von einer Frau will, mit der er nicht zusammen ist. Er sagte auch, er würde es nicht überleben wenn ich ihn mit dem Kind verlasse. Ich denke er hat auch sehr viel Angst davor wieder in der Situation zu sein verlassen zu werden, das Kind (wie sein jetziges) so sehr zu lieben und kaum zu sehen (die Mutter wohnt sehr weit mit dem Kind entfernt). All das macht ihm zusätzlich zur Verantwortung und seinem Leben und seiner psychischen Verfassung Angst. Er will alles richtig machen, sieht aber keinen Weg. Ich denke nicht, dass das Kind uns verbindet, ich denke er wird sich sehr zurückziehen und mein Kind wird niemals seinen Vater kennenlernen.
Er hat sich sein / unser Leben so vorgestellt:
Er wollte mir im Dezember einen Antrag machen und Anfang nächsten Jahres mit mir zusammen ziehen. Und dann hat er sich gut vorstellen können Kinder mit mir zu bekommen, er meint er hätte mich schon überredet. Das war sein Plan. Jetzt ist der Ablauf anders und ich kann nicht verstehen wo sein Problem liegt. Denn er will es ja alles, nicht jetzt, ich wollte das jetzt auch nicht. Aber es ist nun mal so.
Und meine Entscheidung muss ich alleine fällen. Er meinte auch ob wir das nicht zusammen entscheiden sollten… Aber es gibt hier keinen Kompromiss. Wie können wir zusammen entscheiden, wenn einer es nicht will und der andere unbedingt?
Und warum denke ich über einen Abbruch nach? Ehrlich?
Weil ich ihn nicht verlieren möchte. Ich kann kaum atmen wenn ich daran denke die Schwangerschaft, die Geburt und die nächsten Jahre ohne ihn zu verbringen. Immer an ihn zu denken. Und an ein Kind ohne Vater. An mich alleine, immer am Limit, im ersten Jahr auch finanzielle Sorgen.
Ich weiß nicht wie ich diese Entscheidung treffen kann…
Guten Abend Tani,
ich kann mir gut vorstellen, dass es auch deine Gedanken waren. Ich will da keine „Kluft“ aufmachen. Trotzdem denke ich, dass in der Situation der Unterschied zwischen Mann und Frau deutlich ist. Dein Denken ist mir nah.
Er denkt, es ist alles planbar. Du hingegen kannst dich trotz Plan umstellen, weil du etwas Neues spürst. Du bist mehr „mit dem Leben verbunden“ - mag jetzt vielleicht kitschig klingen – irgendetwas in der Art ist es doch, oder?
Und dann der Unterschied, der nicht mit Mann oder Frau zu tun hat, sondern mit Eltern-Sein: Er hat eine tragische Erfahrung gemacht. Er ist von seinem Kind durch den Willen der Frau getrennt.
Nur, wäre die logische Folgerung daraus doch eigentlich, sich mit dir verbinden.
Und das nun etwas früher als nach Plan. Die Zeit zu zweit verkürzt, bevor ein Kind dazu kommt. Sicher sind da Ängste im Spiel: Dass sich in der gesetzten Zeit etwas Bestimmtes entwickelt und – falls nicht – er auch noch anders entscheiden könnte.
Wie war noch der Satz von John Lennon: Leben passiert, während wir dabei sind Pläne zu schmieden (sinngemäß).
Verständnis für seinen Schmerz braucht er schon. Und Verständnis, dass er sich überfordert und zerrissen fühlt, wenn hier und dort ein Kind ist und er für beide so eine unterschiedliche Bedeutung hat. Und gerade ist er dabei, mit dir eine Beziehung aufzubauen. Das ist schon Stress. Das verstehe ich auch. Das sind noch meine Gedanken zu ihm.
Nun zu dir.
Würdest du ihn denn mit Kind verlassen? Eher nicht. Denn genau das macht dir Angst: allein mit dem Kind sein, ohne ihn. Also, kannst du seine Angst komplett entkräften. Und er könnte dir wiederum deine Sorgen nehmen, in dem er jetzt zu dir und dem Kind hält.
Wenn du dich für das Kind entscheidest, entscheidest du dich wohl mehr für ihn als wenn du den Abbruch machen würdest. Mit dem Abbruch hättet ihr dann beide eine Trennung, die ihr nicht wollt, nämlich von dem Kind.
Nochmal zu ihm:
Er ist von Freude so krass schnell zu Angst geswitcht. Zeigt doch: Gefühle können sich ändern. Da ist was irrational und auch was Echtes an den gegensätzlichen Gefühlen.
Er sagt einerseits, er würde dich alleine lassen, wenn du das Kind bekommst.
Andrerseits den Abbruch, weil er Angst hat, von seinem Kind getrennt zu werden.
Logisch ist das nicht. Und das ist eben das Leben. Das Kind hat ihm sozusagen den Antrag, den er dir machen wollte, vorweggenommen.
Zusammen entscheiden könnt ihr "Ja". Für eure Liebe, mit allem, was zu eurer Liebe gehört.
Ein Kind ist sichtbar gewordene Liebe, sagt man doch.
Ich kann mir vorstellen, er ist sich einfach nochmal unsicher. Und das kann ich auch wieder verstehen. Nach der langen Zeit und allem, was er durchgemacht hat.
Letztlich ist Liebe Entscheidung. Gefühle können schon hin und wieder überwältigend und beunruhigend sein, sie können Zweifel bringen und dann auch wieder zur Ruhe kommen.
Es hat alles seinen guten Sinn. Was meinst du, welcher Sinn grade in der Situation verborgen sein könnte?
Lass dich mal von der Nacht überraschen, wenn die Gedanken aufhören, spürst du mehr dein Inneres. Oder dann am Morgen. Oder was ist deine starke Tageszeit?
Liebe Grüße und gute Nacht!
Liebe freebee,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich denke er ist nicht nur für den Abbruch, weil er Angst hat verlassen zu werden.
Er hat im Moment mehrere Baustellen. Total am Limit wegen seinem Job, möchte umziehen, zwar mit mir zusammen, aber auch da ist ungewiss wie das mit seinem Aus abläuft. Und dann die grundsätzlichen Ängste, weil er eben den Verlust bzw. die Distanz zu einem Kind kennt.
Da ist noch viel mehr. Aber es führt zu weit.
Wir sprechen zwar im Moment jeden Tag - mehrmals. Und er gibt sich sehr viel Mühe da zu sein. Aber heute habe ich vorgeschlagen den Kontakt zu reduzieren. Er hat jetzt 3 Wochen sein Kind bei sich. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht worüber wir noch reden sollen. Ich meine… ja heute haben wir mehr über die Schwangerschaft gesprochen, aber zu einem Ergebnis kommen wir nicht. Und er blockt auch oft sehr schnell ab.
Daher dachte ich in erster Linie für mich, dass ich mich schon mal dran gewöhnen kann, wenn ich ohne ihn klarkommen muss und vielleicht höre ich klarer, was ich will. Nicht er. Ich!!!!
Denn grundsätzlich möchte ich das Kind so gerne behalten. Habe grade eher massive Ängste damit alleine zu sein. Und die Ängste, die vielleicht jede Mutter hat.
Aber innerlich möchte ich. Auch ohne ihn. Auch, wenn mein Kind keinen Vater hat. Bzw. er sich nicht mehr meldet.
Mittlerweile bin ich auch an einem gewissen Punkt, an dem ich nicht weiß ob ich vertrauen könnte, wenn er sagt ja okay dann versuchen wir es. Irgendwie ist mir das zu wenig. Ich weiß nicht. Alles nur Gedanken die kommen und gehen.
Und welcher Sinn hier verborgen ist? Ich habe keine Ahnung. Es ist fast zu viel für mich. Das alles zu tragen. Aber heute ist es besser als gestern. Und gestern war besser als vorgestern.
Und was ich feststelle…. Es gibt viele Anlaufstellen wie diese hier und auch Beratungsstellen und andere Optionen, die man nutzen kann. So viele Menschen, die helfen. Und dafür bin ich unglaublich dankbar.
Hallo liebe Tani!
Wie schön, das du weiter geschrieben hast! Ich will dir jetzt auch wieder antworten.
Es ist ja einiges geschehen.
Dein lieber Freund hat grade wirklich viel zu regeln, noch mehr als du hier benennst. Und vor ihm liegt die Zeit mit seinem Kind. Ganz stark, dass du ihm dafür besonders Zeit einräumst. Er kann sich auf sein Kind einstellen. Es soll ja für beide eine schöne Zeit werden. Für alles andere mal Pausetaste. Aufatmen, Konzentrieren. Es lässt sich ja nicht alles gleichzeitig regeln. Vor allem, wenn alles gesagt ist. Dann muss Zeit sein, dass Worte ihre Wirkung entfalten.
Und auch du brauchst Zeit für dich mit deinem Kind. Du sprichst so real davon. Du testest dich selbst gerade aus und merkst, dass es am jeweiligen Tag besser ist als am Vortag. Trotz deiner Ängste. Sehr bemerkenswert!
Es ist wie du ahnst: jede Mutter hat Ängste und nicht jeden Tag die gleiche Kraft.
Du weißt den Sinn nicht, sagst du, aber du lebst den Sinn. Könnte das sein?
Ich sehe viel Sinnvolles, was du einfach tust: das Gute nicht aufgeben, von Tag zu Tag weitergehen, Gedanken kommen und gehen lassen, auf dem Weg Entdeckungen machen, Menschen kennenlernen, die dich unterstützen, dankbar sein für das, was gut ist. Und das alles macht neugierig, wie es weitergeht.
Ich freu mich, wenn du weiter berichtest, wie es dir im Selbstexperiment geht. Es wirkt auf mich sehr besonnen, wie du alles angehst. Also, nicht aus Panik oder so etwas, meine ich damit.
Guten Nacht!
Liebe Tani,
mir geht es auch so: was für eine zauberhafte Geschichte mit euch beiden!
Er sagte sogar „wir haben Leben gezaubert“.
Die Schwangerschaft wie eine Bestätigung der einzelnen Schritte. Bei dir war gar kein so starker Wunsch da und er positiv reagiert hat. Wirklich zauberhaft!
Bis zu seinem Zusammenbruch, wie du es nennst. Und da kam er bisher noch nicht wieder raus. Dann ist auch noch in dir etwas zerbrochen, als er immer mehr drauf beharrt hat.
Für dich kam dann der besondere Moment, wo du das Herz gesehen hast und die Freude unmittelbar gespürt hast. Und die Traurigkeit des Allein-Seins. Trotzdem hast du Kraft und Mut geschöpft aus diesem Moment.
Du hast dir verschiedene Möglichkeiten überlegt und ihm aufgezeigt, wie es möglich ist, und ihn auch direkt gefragt, ob er nicht will oder nicht kann. Wie mutig von dir!
Und seine Antwort dreht sich bisschen im Kreis: Er würde gern, aber er kann nicht. Irgendwie gefangen in sich selbst kommt er mir vor. Vielleicht ungenügend, weil er noch nicht der Mann ist, der er für dich sein möchte? Dabei möchtest du einfach nur ihn, so wie er jetzt ist.
In deinen Möglichkeiten hast du seine Wünsche sicher berücksichtigt: Wie alles zusammen gehen kann (Haus, Job, kennenlernen ..), wenn du schwanger bleibst.
Was wäre, wenn du es einfach so machst: schwanger bleiben.
Dass er dann auch merken kann: Es ist möglich. Du ziehst dich nicht zurück. Du gibst ihm Zeit für seine Projekte. Und die Geschichte geht weiter.
Du musst dich nicht trennen, nicht von ihm, auch nicht von deinem Kind.
Ob er sich wirklich trennen will? Oder einfach seine Angst so krass ausdrückt?
Ich glaube, dass ihm etwas emotional den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Vielleicht aus Emotionen heraus, wo er verletzt wurde und sich ungenügend fühlt. Und jetzt alles gut und besser machen möchte. Und alles „bevor“ .... , was für dich gar nicht die Bedingung wäre. So verstehe ich dich, was du von ihm schreibst.
Und dich verstehe ich großzügig: Er muss nicht erst etwas schaffen oder beweisen. Trifft das in etwa zu?
Du hast jetzt sehr nervenaufreibende Tage hinter dir. Und ihr lernt euch gegenseitig mehr kennen als ihr euch hättet vornehmen können.
Besteht jetzt gerade Funkstille? Was ist eure Vereinbarung?
In dein Leben ist in kurzer Zeit so viel Liebe gekommen. Und Liebe ist und macht verletzlich. Ihr konntet nach dem Streit wieder reden! Ein dicker Bonuspunkt! Das mit der Zeit stimmt ganz sicher. Sooooo lange wart ihr auseinander und habt euch wieder gefunden! Die Geschichte ist noch nicht zuende! Du schreibst sie weiter!
Fühl dich lieb umarmt! Und hol dir Trost, wo immer du kannst! ❤️
Liebe Layla,
Vielen lieben Dank für deine Worte.
Eines hat mich besonders zum denken gebracht. Er ist nicht der Mann, der er sein möchte. Und das stimmt. Er sagt immer wieder über sich er sei ein schrecklicher Mensch.
Heute habe ich ihm mehrmals gesagt, für mich muss er nicht anders sein. Ich liebe ihn genauso wie er ist. Und ich bin stolz, dass er mein Freund ist.
Ob er sich wirklich trennen will? Einerseits nein und andererseits ja.
Mir ist heute auch sehr bewusst geworden, dass er schlecht darin ist Entscheidungen zu treffen. Vor allem alleine. Ich helfe ihm viel. Aber hier will er keine Hilfe. Er ist total überfordert. Und ob sich das in absehbarer Zeit ändert und wenn es sich dann öndert, ich bereit bin über alles hinwegzusehen..?? Ich habe heute keine Antwort.
Und das mit dem kennenlernen. Auch richtig. Auch das habe ich ihm heute gesagt. Und dass es gerade nicht schön und einfach ist. Aber wir immer noch miteinander sprechen. Keiner den anderen mit voller Absicht verletzt, schreit oder einfach geht oder wegläuft.
Dass das trotz allem etwas Gutes ist.
Heute Mittag habe ich ihn gefragt, ob er traurig wäre, wenn wir das Kind nicht bekommen. Er sagte ja. Wäre er. Und auch, wenn ich es bekomme.
Also kann ich es eh nicht richtig machen.
Jetzt muss ich für mich entscheiden… packe ich es alleine? Will ich das wirklich mit allem was dazugehört? Und das alleine?
Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich mein Baby liebe. Und es gerne bekommen möchte. Trotz meiner Angst.
Wir haben heute vereinbart den Kontakt zu reduzieren. Meine Idee. Für uns beide. Keine Trennung, keine Pause. Reduktion.
Damit ich mich besser höre. Und für ihn, dass er sich auf sein Kind konzentrieren kann, dass er ein paar Wochen bei sich hat.
Vielleicht wird einiges klarer? Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist der wenige Kontakt gar nicht so schlimm für mich? Ich weiß es nicht.
Wir werden sehen.
Ganz lieben Dank nochmal für deine Antwort.
Liebe Grüße ☺️
Guten Morgen liebe Tani,
ich freue mich, dass meine Worte deine Gedanken inspirieren.
Was für eine wunderbare Frau dieser Mann an seiner Seite hat oder haben könnte! Phasen, wo man mit sich selbst unzufrieden ist, sich schrecklich findet, können in jedem Leben kommen. Du bist jetzt in deiner Liebe einfach da und siehst, wie er auch ist, als ganzer Mensch. Und liebst ihn so. Etwas Besseres könnte ihm gar nicht passieren.
Man lebt schwer, wenn man nicht gern entscheidet. Du hast erkannt, dass diese Neigung wohl zu ihm gehört. In dieser Situation finde ich es ein gutes Zeichen, dass er sich nicht auf eine negative Entscheidung festlegt, sondern offen bleibt. Auch ein gutes Zeichen finde ich, dass er es alleine schaffen will.
Vielleicht bist du für solche Situationen besser ausgestattet, insgesamt reifer oder hast es mit deiner Geschichte leichter als er. Jedenfalls kommst du damit klar, dass du im Moment keine Antwort hast. Und das ist wirklich souverän!
Auch, dass du das Gute trotz allem siehst. Und ihm so gute Fragen stellst. Das trägt zur Klärung und Selbstklärung auf jeden Fall bei.
Du kannst es eh nicht richtig machen. Was für eine erhellende Erkenntnis! Er kann für dich im Moment, wo er unklar ist, nicht die Orientierung sein, sondern du selbst bist es. Wie du in deiner Antwort an freebee schreibst: deine eigene Stimme hören.
Ich denke, es gehört zu einer Paarbeziehung, dass es Phasen von „ganz nah und einig“ gibt, und dann Phasen, wo jeder ein Stück Weg allein geht oder gehen muss. Um der eigenen Entwicklung willen. Das muss keineswegs zu einer Trennung führen, sondern kann – wenn man diese Zeiten aushalten kann – zu einer vertieften Beziehung führen.
Mir kommt das Bild von den Brückenpfeilern. Eine Paarbeziehung ist dann stark und tragfähig, wenn beide Brückenpfeiler für sich fest stehen. Das beschreibt natürlich nicht umfassend, was eine Paarbeziehung ausmacht, aber es beschreibt diesen Aspekt: Jeder sollte für sich stehen können.
Ich glaube, das kannst du bzw. du findest gerade deinen eigenen Stand. Liebe ist stärker Angst. Kann es sein, das buchstabierst du gerade? Die Liebe zu deinem Baby und zu ihm lässt dich auf wirklich gute Ideen kommen. Z.B. die Reduktion des Kontakts, um zu sehen, was sich in dieser Zeit bei ihm und was sich bei dir entwickelt.
Ich spüre eine große Stärke bei dir! Eine ganz besondere Stärke ist, dass du ihm Zeit und Freiraum gibst. Und die Gelassenheit: wir werden sehen.
Ich danke Dir für deine Worte! Es ist eine gegenseitige Inspiration!
Liebe Grüße und einen guten Tag für dich!
Hallo liebe Tani,
"ich weiß es nicht, wir werden sehen" - hast du zuletzt geschrieben. Und dass du dich auf dich konzentrieren möchtest, während er sich auf seine Zeit mit seinem Kind konzentrieren kann.
Wie geht es dir bzw. ging es dir in dieser Zeit? Konntet ihr die Kontaktreduktion überhaupt so aufrechterhalten?
Liebe Grüße von Layla
Liebe Layla,
Vielen Dank für deine Nachricht. Ich wollte vor einigen Tagen eine Antwort verfassen, aber mir fehlte wirklich die Kraft dazu.
Ein paar Tage nach meinem letzten Beitrag sind wieder einige böse Worte von ihm gefallen, obwohl ich wenige Tage davor eine wunderschöne Liebeserklärung bekommen hatte. Und dann war es zu viel für mich und ich habe den Kontakt für 5 Tage (eigentlich nicht viel, aber ich habe gelitten ohne Ende) komplett abgebrochen.
Bevor er mit seinem Kind in den Urlaub ist haben wir gesprochen. Es war mir wichtig ihn nochmal zu hören. Und da hat er sich das erste mal richtig entschuldigt und mir gesagt, dass ich die Entscheidung für mich treffen muss. Und ich die richtige Entscheidung treffen werde.
Das war es dann auch zum Thema Schwangerschaft.
Seitdem besteht Whatsapp kontakt. Aber eher unspektakulär.
Ich weiß nicht, ob ich es manchmal zu hart sehe. Aber er hat mich so verletzt, durch seln Verhalten, seine Worte, den Tonfall… ich weiß nicht, wie wir wieder ein Paar sein sollten.
In den letzten zwei Wochen war ich sehr sicher, dass ich mein Kind bekommen möchte. Dann kommen immer wieder Zweifel:
Will ich mein Leben aufgeben?
Will ich Mama sein?
Kann ich das überhaupt verantworten?
Aber es geht hier nur um mich.
Und dann kommen die Gedanken, dass ich nicht darüber nachdenken würde, wäre er von Anfang an an meiner Seite gewesen. Dass ich wissen möchte, wer mein Kind wird. Ihm oder ihr das Leben schenken will. Und ich wahrscheinlich nicht für immer traurig und unglücklich sein werde. Es schön sein kann. Das sagt jeder, obwohl ich es nicht verstehe, aber das kann man wohl nur, wenn man ein Kind bekommen hat.
Das sind meine jetzigen Gedanken.
Es geht mir sehr viel besser als die letzten Wochen. Aber ich hätte so gerne ein klares „Ja“, was ich aber nicht bekommen werde. Und versuche herauszufinden, was kann ich weniger vertreten? Den Abbruch oder die Schwangerschaft? Und was gibt mir mehr Sinn.
Und natürlich liebe ich den Vater des Kindes. Hätte gerne die perfekte Familie. Bin traurig, weil das wohl nicht eintreten wird.
Ein bisschen wirr geschrieben… Entschuldige 😓
Liebe Grüße
Tani 🌈
Liebe Tani,
wie schön, wieder von dir zu hören. Ich kann gut nachvollziehen, dass dich die vergangene Zeit erschöpft hat. Die „Wechselduschen“ von seiten deines Freundes. Und das in der Zeit, die dich selbst so fordert, rein körperlich, hormonell.
Mit seiner Entschuldigung hat er dich sozusagen freigesetzt. Aber auch alleingelassen. Ob so ein Riss wieder heilen kann? Wenn beide es wollen, denke ich schon. Ich kenne Paare, bei denen es so war. Und andere auch.
Die Einheit, die man sich so vorstellt (Vater, Mutter, Kind) hat einen Riss. Du möchtest gern das Ganze zusammenhalten und es liegt gerade nicht in deiner Hand.
Nun fragst du dich, wie du mit deinem Kind leben würdest, was es dich kosten würde, ob es eine gute Entscheidung wäre.
Du meinst, hier ginge es „nur“ um dich.
In deinen anderen Fragen geht es auch um dich, ganz positiv. Und das ist so das Geheimnis. Das Kind ist – nun klingt das vielleicht wirr – ich und du zugleich.
Und man kann es nicht erklären oder sich vorstellen.
Es ist so der Weg des Lebens, dass ein Mensch durch eine Mutter in die Welt kommt. Eine Einheit am Anfang, verborgen aber schon der eigene Mensch. Und das verwirrt einen. Dafür sollten wir uns nicht entschuldigen. 😌
Das alles spüren, können nur wir Frauen. 🤷♀️ Es ist unsere besondere Begabung. So sehe ich das.
Die Frage nach dem Sinn führt dich vielleicht weiter als die Frage, was du weniger vertreten kannst. Das eine ist minimal, das andere maximal. Was kannst und möchtest du maximal durch dein Leben bewirken?
Ich bin gespannt auf weitere Entwicklungen – die geschehen und die du selbst in Gang setzt. 🌈
Meine lieben Grüße!
Layla
Hallo Tani,
gar nichts ist wirr geschreiben, es ist alles gut zu verstehen. Jede Schwangere hat während der Schwangerschaft Zweifel. Einfach weil Du die körperlichen Veränderungen spürst und weißt, dass nichts bleiben wird, wie es einmal war.
Du hängst an dem Wunsch einer perfekten Familie. Aber auf dieser Welt gibt es nichts perfektes. Wenn Du auf dieser Welt für Dich und Dein Kind alles perfekt gestalten könntest und würdest, dann käme Dein Kind später nicht in der Welt zurecht. Denn auf der Welt ist viel mehr zerbrochen, als Partnerschaft und zwischenmenschlich Beziehungen. Du mußt durch ein Kind nicht dein Leben aufgeben. Es wird anders: schöner, heller, froher...vielleicht bekommt Dein Leben zum 1. mal einen tiefsitzenden Sinn, wenn Du merkst da ist jemand auf mich angewiesen.
Alles Gute Tupptip
Liebe Tani,
wie geht es dir? Bist du weiterhin im Rückzug, also gern mit dir allein?
Wie ging es dir mit mehr whatsapp-Kontakt?
Ich habe beim Lesen der letzten Nachrichten gedacht, dass eher meine Nachricht wirr war. 😌
Die perfekte Familie gibt es nicht, hat eine userin geschrieben.
Es gibt ein inneres Bild von der eigenen Familie. Und das braucht man, um sich zu orientieren. Das denke ich schon. Und da hat perfekt aber noch eine andere Bedeutung: So wie wir es können.
Wenn wir unser inneres Bild von Familie kennen, können wir sie am ehesten verwirklichen.
Natürlich nicht "perfekt", aber in die Richtung.
Verstehst du, wie ich es meine?
Ich freue mich, wenn du wieder schreibst!
Meine lieben Grüße! 🤗
Hallo zusammen ☺️
Ich habe wieder ein paar Tage gebraucht…
Aber ich habe mich final entschieden das Kind zu bekommen. Es war nicht spektakulär und es war kein „Ja unbedingt und total gerne und voller Freude.“ Es war ein „was kann ich weniger vertreten“. Und allein der Gedanke einen Termin für den Abbruch zu vereinbaren hat so viel Widerstand in mir ausgelöst… es ist nicht möglich. Und ich weiß, dass ich es irgendwie schaffen werde. Ich habe für mich einen Plan, auch wenn es schwer wird.
Ich finde es sehr schade, dass da keine Freude ist, vielleicht noch nicht. Dass es mir nicht so geht wie einer Freundin, die zuhause umsorgt wird. Aber das ist eben mein Leben und mein Weg. Manchmal bin ich sehr traurig und wütend und habe ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber. Aber ich werde versuchen eine sehr gute Mama zu sein.
Was meinen Freund betrifft… wir haben uns wieder angenähert, aber seit der Entschuldigung und seiner Aussage kein einziges Wort mehr zur Schwangerschaft verloren… Er war letztes Wochenende einen Tag bei mir, er wollte mich unbedingt sehen. Ich hatte furchtbare Angst, aber es waren sehr schöne 24 Stunden. Ich habe die Ultraschall Bilder an der Pinnwand hängen gelassen. Sie gehören da hin und ich wollte mein Kind nicht verleugnen. Er hat sie gesehen. Hat sie auch angeschaut. Aber er hat kein Wort gesagt. Es war klar, dass ich weiter schwanger bin. Kein Alkohol, keine Zigaretten, immer noch empfindlich bei Gerüchen, um 22 Uhr total müde, etc.
Er meinte das nächste Mal würde er sein Kind mitbringen, dem er endlich von mir erzählt hat. Er hat mir was vom Urlaub mitgebracht und wir telefonieren wieder jeden Abend.
Aber… ich weiß nicht. Ich dachte es kommt irgendwas wenn er die Bilder sieht, meine Termine. Einmal wurde er zwar ein wenig schwermütig, musste umarmt werden, hat sich dann aber wieder gefangen.
Das Thema wird ignoriert.
Ich bin also wieder in der Pflicht meine Entscheidung auszusprechen. Er wird nicht fragen. Und ehrlich?
Ich habe Angst. Angst es ihm zu sagen. Angst unangenehmes auszusprechen. Da die letzten Male dann so furchtbar waren. Er schreckliche Dinge gesagt hat, mich so sehr verletzt hat. Angst vor ihm… nicht körperlich, sondern emotional.
Ich meine was zum Teufel tun wir da??? Wir planen die nächsten Wochen und sprechen nicht über das wesentliche? Wir telefonieren 1,5 Stunden und ich kann nicht über das sprechen, womit ich mich gedanklich den halben Tag beschäftige?
Und dann… egal was er dann sagen wird… auch wenn es das ist, was ich hören will… Glaube ich ihm überhaupt noch?
Ich tue mich allgemein schwer Dinge anzusprechen, die mich stören, da ich nicht schwierig sein will. Und gerade traue ich mich gar nix mehr. Und das ist keine Basis für irgendeine zwischenmenschliche Beziehung.
Vielleicht habt ihr Rat?
Muss ich die Worte „Ich bekomme unser Kind“ aussprechen? Reicht das? Soll ich mehr fragen? Fragt er nicht, weil er sich nicht traut?
Was soll das alles?
Hallo Taniiii!
Ich freu mich so, das von dir zu lesen! Du bist echt eine starke Frau! Ich spüre, wie hart es noch immer für dich ist, aber du bist sehr sehr stark geworden. Bzw. kannst deine Stärke nun leben. Du hast deinen Plan und kannst akzeptieren, dass es bei dir anders ist als bei deiner Freundin.
Was in den letzten Wochen war, lässt sich einfach schwer in Worte fassen. Zumal von seiner Seite so schlimme Worte gefallen waren.
Vielleicht hat er die gleichen Gedanken (Warum sprechen wir nicht darüber!???) und findet nun auch keine Worte. Oder er spürt selbst, dass du ihm gute Worte schwer glauben würdest.
Könnte es sein, ihr nähert euch gerade trotzdem an? Oder gerade deswegen, weil etwas ohne Worte geschieht?
Ich würde sagen: Das Leben an sich spricht jetzt genug.
Er hat am Anfang doch gesagt: wir haben Leben gezaubert. Vielleicht seid ihr beide wie in den Bann gezogen von dem, was geschieht. Ihr könnt (noch) nicht sprechen, weil etwas mit euch geschieht, was sich nicht rational fassen lässt.
Was zum Teufel tut ihr da? Gar nichts. Ihr seid einfach. Ihr plant eure Zeit und euer Kind ist dabei. Unaufgeregt. Und er weiß es, wenn er dich sieht. Kann auch sein, er schämt sich. Du hast „schwermütig“ gespürt bei ihm. Und ihn umarmt. Wie lieb ist das von dir. Die Worte kommen vielleicht erst nach.
Kennst du das, dass man etwas beobachtet in der Natur, den Atem anhält, nichts sagen kann, weil es so bezaubernd ist? Die schönen 24 Stunden.
Jetzt sieht er, was du die ganze Zeit schon „gesehen“ hast. Und was du in den letzten Wochen geleistet hast.
Vielleicht lässt du ihn eines Tages lesen, was du hier geschrieben hast. Wie sehr du ihn und das Kind die ganze Zeit wolltest und was du dafür ausgehalten hast.
Ich glaube hast das Geheimnis der Zeit entdeckt:
„Ich habe wieder ein paar Tage gebraucht ...“ – gib dir diese Zeit immer wieder.
Ich freu mich, wenn du dann wieder schreibst. Wenn du schreibst, wie die Freude kommt. Sie kommt. 😊
Liebe freebee,
Vielen Dank für deine Worte.
Ich habe es gestern Abend angesprochen. Ich konnte einfach nicht mehr so tun, als gäbe es unser Kind nicht und ich wollte auch, dass wir auf demselben Informationsstand sind.
Denn wer weiß, was er denkt?
Ich weiß es jetzt. Er wusste nach allem was er bei mir gesehen hat, dass das Kind bleibt.
Er hat die ganze Woche darüber nachgedacht und sich auch gefragt warum wir nicht darüber sprechen.
Zuerst das positive: er liebt mich und er ist grundsätzlich nicht gegen das Kind, findet es weiterhin irgendwie schön und es ist eine gewisse Freude da. Er sagte auch, ob es nicht schön gewesen wäre das alles zusammen zu machen. Abends darüber zu sprechen. Er ja eigentlich alles miterleben wollen würde…
Aber und nun zum aber. Als ich sagte dann machen wir alles zusammen… meinte er es sei zu spät. Wofür zu spät? Zu spät. Er weiß nicht wie es gehen soll. Er kann nicht. Er möchte so gerne aber er kann nicht. Er hat alles kaputt gemacht. Es wird nicht gut werden, er wisse es.
Das ist seine Überzeugung. Er hat keine Zuversicht und bewundert zwar mein positives Denken. Kann sich da aber nicht anschließen. Er kann es nicht. Und das tut mir mehr weh als ich will es nicht. Glaube ich….
Vor allem weil er uns ja eigentlich möchte. Aber keinen Weg sieht. Er hat keine Kraft sagt er.
Er hat gehofft es würde sich in den letzten Wochen etwas ändern. Aber es hat sich nichts geändert.
Ich meinte warum er sich dann nicht von mir trennt? Wie sollte er, wenn er mich liebt, war seine Antwort.
Ich habe wieder gekämpft. Aber zuletzt meinte ich, für mich gibt es kein zu spät. Aber ich werde ihn jetzt lassen. Ich kann nichts mehr tun oder sagen. Er kann jederzeit schreiben, anrufen oder zu mir kommen. Und ganz klar meinen Wunsch formuliert, dass wir es zusammen hinbekommen. Auch wenn es schwer und nicht perfekt wird.
Nach dem Gespräch ging es mir erst gut. Da ich endlich alles gesagt hatte. Kein Streit, nicht abwertend. Sondern ein ernstes Gespräch.
Danach kamen Nachrichten, die mir noch mehr vor Augen geführt haben, dass seine Haltung ist, dass er nicht kann.
Und ich dachte ich bin darauf vorbereitet. Aber es zerreißt mein Herz.
Ich kann nicht mehr mit ihm rechnen. Ich spüre es. Und ich bin zutiefst traurig.
Ich habe dann heute früh (und ein wenig verachte ich mich selbst) eine lange Nachricht geschrieben. Eine Liebeserklärung für den Papa meines Kindes. Sie ist wahr. Kein betteln, kein Jammern. Einfach nur, wie ich für ihn fühle.
Vielleicht ist das jetzt mein letzter Eintrag hier. Da es nichts mehr Neues zu berichten geben wird. Das Baby wird hoffentlich gesund auf die Welt kommen und ich werde alles versuchen eine gute Mama zu sein.
Und dann hat leider mein Freund und der Mann mit dem ich mein Leben verbringen wollte die Kurve nicht bekommen. Obwohl ich es mir so sehr wünsche.
Alles Liebe
Tani
Liebe Tani,
am liebsten wäre ich jetzt bei dir. Das mag sentimental klingen, aber mir geht es wirklich so. Was sollen Worte? Ich will es trotzdem versuchen, denn es gibt ja nicht die Möglichkeit, einfach bei dir zu sein. Und wenn schon – ich bin eine Unbekannte in deinem Leben.
Ich habe solchen Respekt vor dir! Vor deinem Durchhaltevermögen, deinem Spüren, Prüfen und deiner Ehrlichkeit dir selbst gegenüber und deinem Mut, alles auszusprechen. Dass du nicht gegen ihn „umswitchst“, sondern ihm deine Liebe ausdrückst zusammen mit der Liebe deines Kindes. Dafür meine Hochachtung!
Ich will versuchen zu verstehen, warum du dich dafür ein wenig verachtest. Weil es an der Grenze zum „betteln“ ist und du nicht auf ihn angewiesen sein möchtest, für dich stehen können möchtest, aber doch lieben?
Für genau diesen Spagat, der dein Herz schier zerreißt – meinen größten Respekt. Du könntest so leicht sagen, dass er ein mieser Kerl ist.
Liebe Tani, mit deiner Liebeserklärung zeigst du ihm, dass er das Potential hat, dich und euer Kind zu lieben.
Was er noch nicht verständlich ausdrücken kann, ist vielleicht die Zerrissenheit, die er schon erlebt hat durch sein erstes Kind.
Du kannst dich ausdrücken: deine Sehnsucht, deine Hoffnung, deine Stärke und auch deine Großzügigkeit, ohne Abwertung und Streit. Und du hattest sogar ein gutes Gefühl nach diesem Gespräch.
Du bist eine starke reife und überaus liebevolle Frau! Ich mag so Du-bist-Aussagen normalerweise nicht so sehr. Ich möchte es dir jetzt trotzdem so sagen.
Und auch das möchte ich sagen: Ich sehe noch Offenheit. Und zwar, weil du ihn tatsächlich loslassen kannst, obwohl er sich noch nicht mal trennen will. Das zeigt wiederum seine Zerrissenheit.
Ich will dich nicht billig trösten. Jedoch: er kann die Kurve – weil du so eine wunderbare Frau bist und ihm so offen begegnest – jederzeit noch bekommen.
Durch dich bleibt wach, wer er ist und was er sein kann.
Und: Der Anblick seines Kindes kann ihn überwältigen.
Du bist für dein Kind die beste Mama, die es gibt. Du schöpfst dein Potential aus.
Ob wir wieder voneinander hören oder nicht (ich würde mich freuen, wenn ja):
Alle guten Wünsche für dich und dein Kind!
Freebee
Hallo liebe Tani,
ich möchte mich hier nochmal melden, auch wenn die Antwort nicht direkt an mich geht. Ich staune, was sich bei dir ereignet hat! Du warst so mutig, hast gewartet und hast dann gesprochen, als du das Schweigen nicht mehr aushalten konntest!
Es tut dir mehr weh, wenn er sagt „er kann nicht“ als wenn er sagt „er will nicht“. Ich verstehe dich so: Er kann nicht – da kannst du von ihm nichts weiter verlangen oder erwarten. Das ist ein großer Schmerz. Bei „ich will nicht“, wäre er als Person irgendwie mehr greifbar. Allerdings würdet ihr vielleicht ins Streiten geraten. Und das ist glaub gar nicht dein Stil.
Du hast dann gespürt: Das „Ich kann nicht“ ist eine Haltung, die er sich angeeignet hat. Es sind seine Denkgewohnheiten über sich selbst. Das bedeutet: Die Möglichkeit einer Entwicklung ist gegeben. Dass er sich neue Denkgewohnheiten aneignet. Und - so seheh ich es: An dir kann er sich orientieren. Du schwankst nicht mit seinen Schwankungen mit.
Liebe Tani, achte dich selbst in deinen Fähigkeiten und Denkgewohnheiten!
Du hast eine Liebeserklärung für den Papa deines Kindes geschrieben und dich ein wenig dafür verachtet. Genau das brauchst du gar nicht. Achte dich dafür! Diese Liebeserklärung ist – wie du schreibst – wahr!
Ich glaube, eure Geschichte ist noch nicht zuende. Wie sollte sie auch. Er ist der Vater des Kindes. Ich glaube aber, dass es nicht nur eine Geschichte zähen Ringens werden wird (Unterhalt, Kontakt), sondern dass er seine Spur wieder findet – nachdem er aus der Kurve geraten ist.
Weil du deine Spur so hältst.
Ich wünsche dir und deinem Kleinen alles alles Liebe und Gute! Mit der Hoffnung, dass sich deine Hoffnung erfüllt!
Ich wünsche dir weiterhin Geduld und Kraft, deine Spur zu halten und deinen Stil!