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Abtreibung aufgrund burnout trotz Kinderwunsch?

Abtreibung aufgrund burnout trotz Kinderwunsch?
Sonnenschein33
12.03.2026 14:10

Liebes Forum,

Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und Gedanken freuen, weil ich mich mit meinen Überlegungen im Moment ziemlich allein fühle.

Ich bin 28 Jahre alt, mein Mann ist 30, und wir sind seit zwei Monaten verheiratet. Im Februar haben wir unsere Flitterwochen nachgeholt – und dort bin ich ungeplant schwanger geworden. Auch wenn wir im Urlaub tatsächlich nicht besonders vorsichtig waren (wir haben einfach nicht nachgedacht), hat uns der positive Test und später auch die Bestätigung beim Arzt ziemlich überrumpelt.

Grundsätzlich wünschen wir uns beide irgendwann Kinder und sprechen auch immer wieder darüber, wie wir uns eine Familie vorstellen. Trotzdem beschäftigen wir uns gerade ernsthaft mit der Frage, ob wir die Schwangerschaft beenden sollen.

Der Hintergrund ist folgender: Ich hatte im letzten September einen Burnout, ein weiterer folgte im Dezember, da ich ihn ursprünglich nicht ernst genommen habe . In der Folge habe ich mich beruflich neu orientiert. Mein aktueller Job ist noch recht stressig und schlechter bezahlt, aber ab Mai beginne ich eine neue Stelle, auf die ich mich eigentlich sehr freue. Inhaltlich wird die Arbeit sogar etwas weniger komplex sein als vorher, gleichzeitig ist das Gehalt besser. Für mich war das lange meine Wunschstelle.

Vor der Schwangerschaft habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich diesen Neustart gestalten möchte: wieder regelmäßig Sport treiben, gesündere Routinen aufbauen und vor allem mental wieder stabil werden. Nach den letzten Jahren mit viel Überlastung habe ich das Gefühl, körperlich und seelisch ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Kurz gesagt: ich fühle mich in meinem Körper als auch psychisch nicht wohl! Lediglich im Urlaub bin ich langsam zu mir gekommen - und schwanger geworden.

Mit der Schwangerschaft fühlt sich nun alles plötzlich wieder sehr unsicher an.

Mein Mann hatte übrigens etwa ein Jahr vor mir ebenfalls einen Burnout. Er war selbstständig tätig, mit sehr langen Arbeitszeiten und viel Reisetätigkeit. Nächste Woche startet auch er in einen neuen Job, der hoffentlich deutlich bessere Rahmenbedingungen bietet. Wir waren gerade einen Monat am reisen und hatten zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, wirklich wieder Kraft zu tanken – bis dann der positive Schwangerschaftstest kam.

Deshalb fällt es uns gerade schwer, uns für ein Kind zu entscheiden, weil unsere eigenen Krisen noch nicht so lange zurückliegen. Gleichzeitig ist es auch schwierig, sich dagegen zu entscheiden, weil wir uns grundsätzlich beide Kinder wünschen. Eigentlich hätten wir uns eher vorstellen können, ab dem Sommer über eine Schwangerschaft nachzudenken.

In mir lösen diese Gedanken viele widersprüchliche Gefühle aus.

Ist es egoistisch, eine Schwangerschaft zu beenden, nur weil man sich noch etwas Zeit wünscht, um wieder stabiler zu werden? Oder ist es vielleicht sogar verantwortungsvoll, weil man spürt, dass man erst selbst wieder Kraft sammeln muss? Gleichzeitig ist da natürlich auch die Sorge, dass es vielleicht später nicht mehr so leicht klappt oder man eventuell gar nicht mehr schwanger wird.

Wir waren bereits bei einer Beratungsstelle, was uns grundsätzlich gutgetan hat. Danach hatte ich das Gefühl, dass es nicht egoistisch ist, auch auf die eigene Gesundheit zu achten und sich möglicherweise gegen die Schwangerschaft zu entscheiden. Mein Mann war nach dem Gespräch ebenfalls etwas erleichtert und hatte das Gefühl, dass wir – egal wie wir uns entscheiden – einen für uns richtigen Weg finden können.

Seit dem positiven Test drehen sich unsere Gespräche allerdings fast täglich um dieses Thema, und wir geraten dabei auch immer wieder aneinander. Wir sprechen über mögliche emotionale Folgen eines Abbruchs, über Elternzeit, berufliche Pläne und den „richtigen“ Zeitpunkt für ein Kind. Grundsätzlich wäre ein Kind sehr gewollt und geliebt – gleichzeitig habe ich Angst, mich selbst wieder zu überfordern und erneut über meine Grenzen zu gehen.

Deshalb meine Frage an euch:

Gibt es hier jemanden, der einen Schwangerschaftsabbruch erlebt hat, obwohl grundsätzlich ein Kinderwunsch bestand? Wie seid ihr mit dieser Entscheidung umgegangen? Und wie bewertet ihr das Thema „Timing“?

Ich wäre sehr dankbar für ehrliche Erfahrungen oder Gedanken dazu.


felicia

12.03.2026 19:12

Hallo Sonnenschein33, herzlichen Glückwunsch noch zur Hochzeit 💞

Ich kann dir auf deine Frage nach dem Timing antworten. Einmal euer Urlaub - er kam anscheinend grade richtig, auch dass ihr so lange unterwegs wart. Ihr habt diese Wochen so richtig genossen und habt einfach lange entspannt. Dann war das genau, was ihr gebraucht habt.

Euer Plan für diesen Sommer klingt sehr schön. Wann habt ihr den gemacht? Schon vor der schweren Zeit oder jetzt ganz frisch, nachdem es euch beiden wieder besser ging?

„Lediglich im Urlaub bin ich langsam zu mir gekommen - und schwanger geworden.“ Das ist auch ein besonderes Timing. Wie könnte es zusammengehören, kommt mir… wie geht’s dir, wenn du dir das weiter vorstellst und was könnte es für dich heißen?

Bestimmt wird auch das gut werden und ihr werdet gemeinsam einen guten Weg finden 🫶

freebee

13.03.2026 10:41

Liebe Sonnenschein (wie passend gerade - mir scheint die Frühlingssonne ins Gesicht),
du fragst nach Erfahrungen oder Gedanken.

Ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es mit einem Kind schon sehr anstrengend werden kann – zugleich aber auch sehr schön.
Ein Kind stößt in einem ganz andere Potentiale an als der berufliche Werdegang, der ja in vieler Hinsicht planbar ist. Aber auch wieder nicht, wie ich von dir lese. Dass dein Traumjob jetzt kommt, ist ein Geschenk. Und die Überlastung, die ins burn-out führte, hattest du zunächst gar nicht bemerkt.

Du bist durch deine Erfahrungen sensibilisiert für das, was du brauchst und weißt, wie du gut auf dich achtest. Ich möchte fast sagen: nichts kann dich besser auf ein Kind vorbereiten als das: Dass du schon einmal an deinen Grenzen warst. Und darüber gekommen bist und wieder stabil und entspannt leben kannst.
Deine Sorge ist, das jetzt zu verlieren. Warum sollte das geschehen?

Mir kommt es fast vor wie ein „Wink des Schicksals“, dass du gerade in diesem Urlaub schwanger geworden bist. Denn das mit dem „richtigen“ Zeitpunkt trifft es sehr genau. Der lässt sich kaum bestimmen. Denn, wie du sagst: Wird eine Schwangerschaft erwartet, kann sie genau ausbleiben. Auch das könnte "überlasten".

Sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden, wenn man ein paar Monate später bereit wäre – damit ist vielleicht tatsächlich nicht so einfach klarzukommen. Wenn es dann – wie erhofft – zu einer Schwangerschaft kommt, kann man auch ins Rückfragen kommen.

Das mit dem richtigen Weg finden – das ist immer möglich! Vielleicht geht es dir unerwartet viel besser mit allem, was auf dich zukommt. Die beruflichen Bedingungen sind jetzt gut.

Ihr habt beide eine gute Aussicht! Heißt: Gut vorgegangen und dann bekommen. Wie so oft im Leben diese Mischung aus Planung und Geschenk. Du wolltest insgesamt neu durchstarten, was deine Gesundheit angeht. Das kannst du durchaus im Rahmen der Schwangerschaft. Viele Frauen beginnen gerade da, bewusster zu leben. Du bist für dich schon auf diesem Weg, seit du das burnout verarbeitet hast. Aus dieser Zeit hast du Skills, die dich rechtzeitig erkennen lassen, wenn etwas zu viel wird und was du dann am besten tust oder nicht tust.

Dein Mann startet auch neu durch. Wer von euch beiden neigt eher zu Kind bekommen oder nicht? Vielleicht wechselt es auch von Tag zu Tag.

Ich mache es mit meinem Liebsten in solchen kniffligen Situationen so: verdeckte Abstimmung. Jeder schreibt seinen Stand auf einen Zettel und der andere nimmt es zur Kenntnis. Ohne Diskussion. Nach ein paar Tage wieder ... man sieht, wie Tagesform eine Rolle spielt oder sich tatsächlich etwas verändert. V.a. ist mir wichtig, dass ich mich selbst äußere. Denn Gefühlsübernahme spielt eine große Rolle in der Paarbeziehung.

Ihr neigt vielleicht beide dazu, es euch nicht allzu leicht zu machen, euch sehr zu investieren.
Mit einem Kind ist es anders als im Beruf. V.a. du als Frau darfst darauf vertrauen, dass alles "seinen Weg geht". Zunächst mal ändert sich auch nicht viel, es sei denn, du hast mit Übelkeit oder Müdigkeit oder beidem zu kämpfen. Wenn es so ist, ist das nicht schön, kann aber wie ein Stop-Schild sein, und du wächst wieder in der Aufmerksamkeit für dich selbst.

Ihr entwickelt euch ganz sicher beide weiter in einer guten Mischung aus planen und nehmen, wie es kommt.

Welche Rolle spielt euer Umfeld? Als erstes Paar in Familie oder Freundeskreis steht man doch recht allein da. Vielleicht hast du deshalb hier geschrieben.

Ich schreibe gern weiter mit dir hier!
Guten Tag für dich!



Tupptip

13.03.2026 12:03

Hallo Sonnenschein33,

bei Dir scheint die Sonne gerade nicht, sondern Du bist hin-und hergerissen, von Deinen Gedanken und Gefühlen.

Es ist gut, dass Du jetzt besser in Dich hineinhörst, das hast Du aus Deinem Burnout gelernt. Und super dass Du über Deine Gefühle sprechen kannst.

Was ich zu dem Thema Timing denke.

Dass es ein höheres Timing gibt, als das meinige, das besser ist als das Meinige. Nicht immer ist es leicht, dieses Timing zu akzeptieren. Es ist immer besser sich auf dieses Timing einzustellen, aber es kostet mehr Kraft gegen dieses Timing anzugehen, als es anzunehmen. Und Du brauchst Deine Kraft im Moment ganz deutlich wo anderes wichtiger.

Und es widerspricht sich nicht, dass Du auf Deine Grenzen hörst. Was sagt Dir Dein Innerstes, was Du brauchen würdest, um dieses Kind zu bekommen zu können und nicht in einen Burnout zu rutschen. Welche Möglichkeiten höttest Du da. Hilfe aus Verwantschaft, Freundeskreis, Haushaltshilfe, Putzhilfe...Was würde Dein Leben einfacher machen? Nimm jede Hilfe an, die Du bekommen kannst und mache Dich frühzeitig auf die Suche.

Liebe Grüße Tupptip

felicia

16.03.2026 12:39

Hallo liebe Sonnenschein33,

dein Mann startet heute ja seinen neuen Job. Da wird er die nächsten Tage voll drauf konzentriert sein. Echt gut, dass er so die Aussicht hat, dass die Grundbedingungen besser sind als bei der Selbständigkeit. Das klingt auch nach mehr Familienfreundlichkeit 😊

Nochmal zum Timing: ihr wünscht euch von Haus aus beide ein Kind. Weil ihr schon beide in einen Burnout gerutscht seid, wollt ihr euch im Moment nicht übernehmen. Das macht euch eine Entscheidung für das Kind schwer.

Eure Vorsicht ist voll verständlich und auf die eigene Gesundheit zu achten, unbedingt bedeutsam.

Gleichzeitig wäre ein Kind sehr gewollt und geliebt. Das schreibst du echt so schön und man merkt, wie euer Elternherz schon schlägt. Welche Vorstellungen gehören für dich dazu?

Vielleicht kannst du so überlegen: du hast eigentlich noch reichlich Zeit, dass du dich gut auf die Zeit mit dem Kind vorbereitest. Damit du dich eben nicht selbst überforderst und über deine Grenzen gehst. Wie schon geschrieben wurde, du bist jetzt sensibler für die Anzeichen geworden. Eigentlich die beste Vorbereitung auf’s Mama-Sein. Auch für spätere Jahre, wenn ein Kind älter wird 😉

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