Liebes Forum,
Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und Gedanken freuen, weil ich mich mit meinen Überlegungen im Moment ziemlich allein fühle.
Ich bin 28 Jahre alt, mein Mann ist 30, und wir sind seit zwei Monaten verheiratet. Im Februar haben wir unsere Flitterwochen nachgeholt – und dort bin ich ungeplant schwanger geworden. Auch wenn wir im Urlaub tatsächlich nicht besonders vorsichtig waren (wir haben einfach nicht nachgedacht), hat uns der positive Test und später auch die Bestätigung beim Arzt ziemlich überrumpelt.
Grundsätzlich wünschen wir uns beide irgendwann Kinder und sprechen auch immer wieder darüber, wie wir uns eine Familie vorstellen. Trotzdem beschäftigen wir uns gerade ernsthaft mit der Frage, ob wir die Schwangerschaft beenden sollen.
Der Hintergrund ist folgender: Ich hatte im letzten September einen Burnout, ein weiterer folgte im Dezember, da ich ihn ursprünglich nicht ernst genommen habe . In der Folge habe ich mich beruflich neu orientiert. Mein aktueller Job ist noch recht stressig und schlechter bezahlt, aber ab Mai beginne ich eine neue Stelle, auf die ich mich eigentlich sehr freue. Inhaltlich wird die Arbeit sogar etwas weniger komplex sein als vorher, gleichzeitig ist das Gehalt besser. Für mich war das lange meine Wunschstelle.
Vor der Schwangerschaft habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich diesen Neustart gestalten möchte: wieder regelmäßig Sport treiben, gesündere Routinen aufbauen und vor allem mental wieder stabil werden. Nach den letzten Jahren mit viel Überlastung habe ich das Gefühl, körperlich und seelisch ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Kurz gesagt: ich fühle mich in meinem Körper als auch psychisch nicht wohl! Lediglich im Urlaub bin ich langsam zu mir gekommen - und schwanger geworden.
Mit der Schwangerschaft fühlt sich nun alles plötzlich wieder sehr unsicher an.
Mein Mann hatte übrigens etwa ein Jahr vor mir ebenfalls einen Burnout. Er war selbstständig tätig, mit sehr langen Arbeitszeiten und viel Reisetätigkeit. Nächste Woche startet auch er in einen neuen Job, der hoffentlich deutlich bessere Rahmenbedingungen bietet. Wir waren gerade einen Monat am reisen und hatten zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, wirklich wieder Kraft zu tanken – bis dann der positive Schwangerschaftstest kam.
Deshalb fällt es uns gerade schwer, uns für ein Kind zu entscheiden, weil unsere eigenen Krisen noch nicht so lange zurückliegen. Gleichzeitig ist es auch schwierig, sich dagegen zu entscheiden, weil wir uns grundsätzlich beide Kinder wünschen. Eigentlich hätten wir uns eher vorstellen können, ab dem Sommer über eine Schwangerschaft nachzudenken.
In mir lösen diese Gedanken viele widersprüchliche Gefühle aus.
Ist es egoistisch, eine Schwangerschaft zu beenden, nur weil man sich noch etwas Zeit wünscht, um wieder stabiler zu werden? Oder ist es vielleicht sogar verantwortungsvoll, weil man spürt, dass man erst selbst wieder Kraft sammeln muss? Gleichzeitig ist da natürlich auch die Sorge, dass es vielleicht später nicht mehr so leicht klappt oder man eventuell gar nicht mehr schwanger wird.
Wir waren bereits bei einer Beratungsstelle, was uns grundsätzlich gutgetan hat. Danach hatte ich das Gefühl, dass es nicht egoistisch ist, auch auf die eigene Gesundheit zu achten und sich möglicherweise gegen die Schwangerschaft zu entscheiden. Mein Mann war nach dem Gespräch ebenfalls etwas erleichtert und hatte das Gefühl, dass wir – egal wie wir uns entscheiden – einen für uns richtigen Weg finden können.
Seit dem positiven Test drehen sich unsere Gespräche allerdings fast täglich um dieses Thema, und wir geraten dabei auch immer wieder aneinander. Wir sprechen über mögliche emotionale Folgen eines Abbruchs, über Elternzeit, berufliche Pläne und den „richtigen“ Zeitpunkt für ein Kind. Grundsätzlich wäre ein Kind sehr gewollt und geliebt – gleichzeitig habe ich Angst, mich selbst wieder zu überfordern und erneut über meine Grenzen zu gehen.
Deshalb meine Frage an euch:
Gibt es hier jemanden, der einen Schwangerschaftsabbruch erlebt hat, obwohl grundsätzlich ein Kinderwunsch bestand? Wie seid ihr mit dieser Entscheidung umgegangen? Und wie bewertet ihr das Thema „Timing“?
Ich wäre sehr dankbar für ehrliche Erfahrungen oder Gedanken dazu.