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Schuldgefühle nach der Abtreibung

Schuldgefühle nach der Abtreibung
23.09.2019 15:54
Hallo Ihr lieben, ich möchte mit Euch meine Erfahrung mit der Abtreibung berichten. Ich war 24 Jahre jung, hatte eine neue kleine Wohnung gefunden, ein neues Auto und hatte als Altenpflegerin eine neue Stelle, in der gut bezahlt wurde und es Kollegial auch passte. Mit einem Kumpel hatte ich Freundschaft Plus, aber wir waren nicht immer im Bett zusammen, wir haben auch mal was freundschaftliches gemacht ohne Hintergedanken. Es lief alles so ganz gut, bis ich den ersten dummen Fehler machte. Auf einer Feier lernte ich einen Mann kennen, der höflich, sympathisch und charmant war. Nach einpaar Getränken sind wir zu ihm gefahren und schliefen miteinander. Keiner von uns hatte verhütet. Am nächsten Morgen scheuchte er mich raus, da er längst vergeben war und nur nach neuem Abenteuer suchte. Durch diese Worte war ich so traurig, da ich dachte es könnte was aus uns werden, bin ich zu meinem Kumpel gegangen. Er tröstete mich und lies mich für paar Tage bei ihm wohnen bis es mir besser ging. Irgentwann sind wir uns dann auch wieder sehr nah gekommen. Einige Tage später ging es mir elendig. Ich hatte Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, schwindel und Appetitlosigkeit. Da auf der Arbeit Norovirus herumlief, bin ich davon ausgegangen das ich mit damit ebenfalls infiziert hatte. Als es mir dann etwas besser ging, fiel mir auf das ich meine Periode nicht bekam. Also bin ich zu meiner Frauenärztin gefahren. Beim Ultraschall sah man das ich schwanger war. Das erste das ich sagte war "ich will abtreiben." Meine Ärztin gab mir drei Tage Zeit um darüber nachzudenken. Zu Hause hatte ich mich über Abtreibungen informiert und ich war fest entschlossen abzutreiben. Von der Schwangerschaft hatte ich niemanden was davon erzählt-aus purer Angst. Ich wusste nicht wie die Familie, Freunde, Kollegen etc. reagieren würden und hatte Gedanken das ich von der Familie verstoßen würde, da meine Familie streng sind. Mein Chef mir kündigt, das Freunde sagen würden zu dumm nicht verhüten zu können. Also blieb das mein Geheimnis. Beim nächsten Arzt Termin war ich gan sicher, die Abtreibung ist das richtige-ich ziehe es durch. Durch die Absaugmethode wurde das Baby entfernt. Ich fühlte mich gut, wusste das es die richtige entscheidung war und konnte mein Leben so weiter leben wie bisher. Meine beste Freundin wohnt ca 200km entfernt von mir, jedoch war sie in der Gegend und wir trafen uns im Cafe. Dort erzählte sie von ihrer Schwangerschaft, sie freute sich und wir waren noch einpaar Baby Artikel kaufen. Zu Hause war ich wie ausgewechselt. Mir liefen die Tränen runter, ich war traurig und wusste das die Abtreibung mein Fehler war. Ich fühlte mich schuldig-das bis heute noch. Es blieb mein Geheimnis, ich hatte Angst um mit jemanden darüber zu reden und es sind fast zwei Jahre her. So schlecht habe ich mich noch nie gefühlt wie jetzt. Mein Fazit ist: Sowas würde ich niemals wieder tun. Ich kann mit dieser Schuld nicht weiter leben, es bricht mir jedes mal das Herz wenn ich daran denke.
1 Antwort
Hallo liebe Miaa, wie gut, dass du eine Möglichkeit gefunden hast, dir mal alles von der Seele zu schreiben. Jetzt ist es nicht mehr dein Geheimnis und du konntest dich mitteilen, wie es dir geht. Du konntest erzählen, wie es dir vor 2 Jahren ging und was dich damals beschäftigt hat. Es waren sicher enorm viele Dinge, die dich damals bewegt haben: Ängste, Enttäuschungen und auch Ziele, die dir wichtig waren. Anfangs hat es sich für dich ja auch wie eine Erleichterung angefühlt. Doch dann war plötzlich alles anders und du spürst seitdem sehr stark noch eine andere Seite: Schuld und auch sehr viel Trauer. ( All das, was du geschrieben hast, ist vermutlich ja auch nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was in deinem Herzen vorgeht. Deshalb ist es sicher gut, jetzt hier einen ersten Schritt zu tun. Und ich würde dir wirklich sehr ans Herz legen, dir noch mehr Raum zu nehmen für deine Geschichte. Könntest du dir denn vorstellen, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen? Bei einer Beraterin, die sich Zeit nimmt und dir zuhört? Damit du nochmal all das Schwere loswerden kannst. Jemand, der nicht zu deinem Freundes- und Familienkreis gehört, und wo du keine Angst vor Ablehnung und Beschämung haben musst, sondern getröstet wirst. Deine Geschichte begleitet dich ja nun schon lange und wird dich wohl auch dein ganzes Leben lang begleiten. Aber es ist möglich, dass du mit dem, was passiert ist, Frieden schließen kannst. Dass du freundlich mit dir umgehst und die Schuld dich nicht weiter zerfrisst. Dann kann dein Kind ein Teil von dir bleiben und dir vielleicht auch ein Wegweiser für die Zukunft werden, weil du jetzt weißt, was dir im Leben wirklich wichtig ist und wo du gerne hinmöchtest. ganz liebe Grüße