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Eine schwere Entscheidung

Eine schwere Entscheidung
12.12.2017 02:05
Hallo ihr Lieben, ich weiß ehrlich gesagt nicht genau wie ich anfangen soll und was ich mir durch diesen Beitrag erhoffe.. aber möglicherweise kann ich dadurch einbisschen Erleichterung empfinden und meine Gedanken ordnen.. Es ist mal wieder einer dieser Abende an denen ich ganz schwer damit zurecht komme meine Entscheidung einer Abtreibung vor 5 Monaten zu akzeptieren. Ich habe vor ungefähr einem Jahr einen Mann kennengelernt und wir hatten von Anfang an eine tolle Verbindung, wir konnten stundenlang reden und es war einfach immer toll wenn er bei mir war.. allerdings hatten wir nur unregelmäßigen Kontakt und meistens trafen wir uns nachts nachdem Club-Besuch.. Es ist schwer zu beschreiben denn wir konnten uns gegenseitig sehr gut leiden und wir redeten immer über viele ernste Themen wir hatten irgendwie eine besondere Verbindung zueinander aber ein richtig normales Treffen hat sich trotzdem nie ergeben. Es fällt mir schwer die Beziehung zwischen uns beiden zu beschreiben denn es ist etwas kompliziert und wahrscheinlich weiß ich selbst nicht genau was das zwischen uns ist, das einzige was ich weiß ist, dass es uns immer wieder zueinander zieht.. Ich habe immer verhütet doch vor ungefähr 5 Monaten hatte ich das Gefühl irgendwas stimmt nicht, bis meine Tage wieder einsetzten sollte dauerte es noch einpaar Tage aber irgendwie bekam ich den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass ich schwanger sei.. Ich sprach mit meiner Freundin und sie versuchte mich zu beruhigen und meinte manchmal hat sie auch so ein Gefühl gehabt aber ich sollte abwarten und ich würde meine Tage schon bekommen ich hab ja schließlich verhütet.. Aber mein Gefühl ließ einfach nicht locker, ich wartete geduldig bis meine Tage wieder einsetzten sollten.. Doch meine Tage setzten nicht ein und so ging ich zur Apotheke und besorgte mir einen Schwangerschaftstest. Ich hatte schon einmal die Angst gehabt schwanger zu sein aber das Gefühl war irgendwie anders als dieses mal, und so muss ich gestehen überraschte mich das Ergebnis nicht.. Ich war schwanger.. Nun um ehrlich zu sein konnte ich es in diesem Moment noch nicht richtig glauben aber nach und nach kam dann der Schock. Ich war komplett überfordert mit der ganzen Situation.. Ich erzählte es meinen zwei engsten Freundinnen und beide reagierten natürlich auch geschockt und waren überfordert.. Ich habe selbst einige Tage gebraucht um mich mit dem ganzen richtig auseinanderzusetzen und zu begreifen das die Schwangerschaft Realität war.. Ich hatte panische Angst es meinen Eltern zu sagen und wusste garnicht wo ich überhaupt anfangen sollte.. Meine Gedanken kreisten "sollte ich es dem Erzeuger sagen ? oder lieber nicht ? wäre es nicht für als besser wenn ich es für mich behalte und schnell alles ungeschehen mach? wie würden meine Eltern reagieren? Wie würde ER reagieren? Er wird das Kind auf keine Fälle haben wollen!" Die Panik stand mir ins Gesicht geschrieben ich wusste nicht weiter, ich wusste nicht wie der nächste schritt ansehen sollte.. Ich rief zu aller erst bei meinem Frauenarzt an und hatte noch die Hoffnung vielleicht hat sich der Test ja geirrt, vielleicht war es ein Fehler?! Aber auch der Frauenarzt bestätigte meine Schwangerschaft und so hatte ich keine andere Wahl als schritt für schritt vorzugehen.. Aber ich war einfach noch nicht bereit es meinen Eltern geschweige dem ihm zu sagen.. Ich versuchte mit meinen Freundinnen darüber zu reden und sie rieten mir beide zu einer Abtreibung (Begründung: Ich bin 21 Jahre alt und beende gerade meine Ausbildung als Erzieherin zudem bin ich mit dem Kerl nicht zusammen und es wäre viel zu früh und sehr viel Veränderung was auf mich zukommen würde) .. Als ich das aus dem Mund meiner Freundinnen hörte war ich ziemlich enttäuscht, traurig aber auch gleichzeitig wütend.. ich wusste selbst nicht was ich wollte aber irgendwie war der Gedanke einer Abtreibung für mich sehr verletzten und machte mich traurig.. Sie hatten natürlich irgendwo Recht, dass ich mir im klaren sein müsste was ein Kind bedeutet und wie drastisch sich mein Leben dadurch ändern würde aber ich wollte es trotzdem nicht hören.. Ich liebte Kinder und natürlich wollte ich irgendwann auch selbst Kinder haben aber die Situation war leider etwas kompliziert und so garnicht wie ich mir das vorgestellt habe.. Nach einer Woche nahm ich dann allen meinen Mut zusammen und ging zu meiner Mutter und erzählte ihr von meiner Schwangerschaft ich hatte solche Angst und es fiel mir sehr schwer.. doch überraschenderweise reagierte sie ganz anders als ich es erwartet hatte.. naja ganz begeistert war sie natürlich nicht aber sie hörte mir zu ich konnte ihr all meine Gedanken mitteilen. Ich selbst bin adoptiert und quäle ich schon seit längerem mit der Frage warum und wieso und ob ich nicht mal recherchieren und was ich auf jeden Fall wusste ist dass eine Adoption völlig ausgeschlossen wäre sollte ich mich dazu entscheiden das Kind zu behalten.. und meine Mutter konnte auch diese Meinung von mir vollkommen nachvollziehen was ich nie gedacht hätte.. Sie teilte mir mit, dass sie immer bei mir stünde und sie jeder meiner Entscheidungen respektieren würde und ich mir für meine Entscheidung Zeit nehmen soll. Doch leider konnte ich mich nicht entscheiden und wusste einfach nicht.. Besser gesagt wollte mir nich eingestehen was ich mir wünschte.. denn ich wollte das Kind nicht abtreiben ich konnte es mir nicht vorstellen.. ich würde damit nicht zurecht kommen dachte ich mir.. Ich kontaktierte den Erzeuger und erzählte ihm was passiert war und er reagierte geschockt aber fing sich ziemlich schnell und stellte mir gleich die Frage es wäre für beide das Beste und wir wären uns ja beide einig wenn man "es weg " macht, schließlich bin ich gerade dabei meine Ausbildung zu beenden und er studiert und es komme hinzu dass wir uns zwar super verstehen und dass ich wirklich eine tolle Frau bin aber wir sind nicht zusammen und haben beide noch Ziele vor Augen und er möchte irgendwann Kinder haben aber er möchte dem Kind auch was bieten können und momentan haben wir beide wenig Zeit und es wäre unfair dem Kind gegenüber.. Seine Worte erschienen mir vernünftig zu sein und ich musste meine Meinung das Kind zu behalten sich nochmal überdenken doch eigentlich hatte ich auch viel zu viel Angst ihm zu sagen, dass ich mir vorstellen könnte das Kind zu behalten.. Ich machte einen Termin für ein Beratungsgespräch und wusste einfach nicht was ich machen sollte ich war hin und her gerissen ich wusste einfach nicht wie es weitergehen sollte aber ich ließ mich schließlich von der Argumentation des Erregers beeinflussen und machte einen Termin für die Abtreibung.. Einige Tage vor der Abtreibung war ich mit einer Freundin verabredet und wir wollten es uns mal nach den stressigen Tagen die ich hatte einbisschen gut gehen lassen.. doch schon am morgen merkte ich ein unangenehmes Ziehen im Unterleib ich dachte mir erst das wäre wahrscheinlich durch die Schwangerschaft und es würde bestimmt wieder weg gehen, doch die Schmerzen wurden immer schlimmer und ich bekam richtig Panik. Da ich nicht mehr fahren konnte weil ich viel zu aufgeregt war riefen wir eine Freundin an diese kam und fuhr mit uns zum Krankenhaus. Plötzlich konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten, es war weniger vor Schmerz sondern eher vor Panik ich hatte plötzlich richtig Angst dass irgendwas mit dem Kind nicht stimmen könnte ich war am Boden zerstört und machte mir Gedanken ob ich was falsch gemacht habe.. dazu kamen die schmerzen aber das einige was mir in diesem Moment wichtig war ist, war es dass es meinem "Kind" gut ging. Im Krankenhaus angekommen wurde ich untersucht und die Frauenärztin teilte mir mit, dass es dem Kind gut geht und zeigte mir wie das Herz klopfte. Es war so toll und mir viel ein Riesen Stein vom Herzen als ich hörte, dass alles in Ordnung sei! Doch dann kamen schon die nächsten Gedanken und ich fragte mich wie soll ich das ihm erklären? wie wird er reagieren?! Wird er mich hassen? Ich ging zu meinen Eltern und heulte mich für viel Stunden bei Ihnen aus ich wusste einfach nicht, es war so ein schlimmes Gefühl vorhin nicht zu wissen ob alles in Ordnung sei sollte ich wirklich abtreiben ? Nein ich konnte es mir einfach nicht mehr vorstellen MEIN Kind, ein Kind das meiner DNA entspricht (so blöd es auch klingt) einfach abzustreiten.. aber die Tage gingen vorüber und ich traf mich mit dem Erzeuger und konnte ihm einfach meinen Gedanken nicht mitteilen, das Kind doch zu behalten.. und ich ließ mich von seiner Vernunft wieder "einlullen" und dachte mir er hat doch Recht ! Meine Freundinnen raten mir dazu und er auch das muss doch einfach dann vernünftiger sein.. Und die Tage gingen schnell rum und ich stand vor meinem Termin beim Frauenarzt.. Er holte mich ab und brachte mich zum Frauenarzt, in mir hatte ich ein richtig mulmiges Gefühl ich hätte laut losheulen können doch ich konnte nicht, ich konnte einfach nicht vor ihm weinen.. Nach der Abtreibung war ich kurze Minuten erleichtert allerdings eher erleichtert weil er froh war über die Entscheidung abgetrieben zu haben und weniger weil ich hinter dieser Entscheidung 100%-ig gestanden habe.. Wochen und Monate danach versuchte ich meine Entscheidung und Alles was mit der Abtreibung zu tun hatte zu verdrängen aber es war schwieriger als gedacht.. ich versuchte mit voller Kraft nicht daran zu denken oder zumindest keine Trauer durchzulassen und dafür war mir jedes Mittel recht.. Doch egal wie ich versuche meine Gefühle zu verdrängen es klappt einfach nicht und ich verbringe viele Abende und bereue meine Entscheidung zutiefst.. "Ich habe einen Teil von mir einfach ermordet" sag ich mir in meinen Gedanken immer wieder," ich habe ein Lebewesen nichtmal nich Chance gegeben am Leben teil zu nehmen", " ich bin so egoistisch, ich habe nur an mich gedacht, ich habe die falsche Entscheidung getroffen, ich hätte nie aus IHN hören sollen" Aber ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.. Wenn ich eins weiß, ist dass ich so eine Entscheidung nie wieder treffen würde! ich fühle mich miserabel ich fühle mich verloren und ich kann es mir einfach nicht verzeihen ! Meiner Meinung nach habe ich jemanden getötet denn es ist egal ob es noch NUR eine Zelle war oder nicht es hätte eine Chance gebaut zu leben und ich hab es ihr einfach genommen.. Ich kann nur von mir sprechen und allen raten, die eine Entscheidung treffen müssen: Seid euch selbst 100% sicher, dass ihr eine Abtreibung durchführen wollt und hört auf euer Herz denn sonst kann es sein, dass ihr es euch nicht verzeihen könnt und das ist ein schreckliches Gefühl! Nun habe ich echt einen langen Text verfasst aber ich hoffe ich konnte einigen helfen nicht voreilig zu handeln.. Ich kann die Zeit nicht mehr zurück drehen und bereue es sehr.. Lasst euch von niemandem reinreden und geht in euch um herauszufinden was Ihr wirklich wollt denn das ist wirklich wichtig!
2 Antworten
Hallo liebe fifi, ich nehme dich mal hier einfach in den Arm. Wie schwer diese Entscheidung für dich war, kommt in jeden deiner Worte zum Ausdruck. Wie gut, dass du hier schreiben kannst. Wie gut, dass du Worte hast. Mit deinen Worten bist du „guter Ratgeber“ für jeden, der für sich mit einer Entscheidung ringt. So ein guter Ratgeber, der dir vielleicht fehlte... Liebe fifi, die Zuneigung zu deinem Kind war da... und ist auch immer noch da. Doch Angst vor der Reaktion deines Freundes, Angst vor dem „Verlassen werden“ von dem Menschen, der dir durch das gemeinsame Kind so nah ist, hat dir den Mut genommen. Und es fehlte eine Hand, die dich in deine Richtung zog. Ein Ohr, was hörte, obwohl du nichts sagtest. Eine Auge, was dich sieht und den Blick erwidert. Es war ein Zusammenwirken von so Vielem- und heute merkst du, die Entscheidung war falsch. Dein Kind fehlt. Und ich möchte dir „zusprechen“: Du darfst Trauern. Und deinem Schmerz Ausdruck geben. Hast du vielleicht irgendeine Erinnerung? Zum Beispiel das US Bild? Oder einen Ort, wo alles sein darf, was ist? Ist Jemand an deiner Seite? Wie ist es deinem Herzen am Nächsten das zum Ausdruck zu bringen? Das ist so wichtig, weil alles „Wegsperren“ in Isolation und Selbstvorwürfen“ münden kann. Trauer und Schmerz dürfen sein. Damit etwas Neues daraus entspringen kann. Und dein Mut machen hier, an diejenigen, die für sich vor der Entscheidung stehen, ist authentisch und wegweisend. Es ist etwas „Weiterführendes“ aus dem Endgültigen.... Ich schicke dir ganz liebe Grüße, frischeminze
Das war die beste Entscheidung die du jetzt machen konntest, hier schreiben wie es dir geht. Alle reden über ungewollte Schwangerschaften aber wie es den Frauen nach einer Abtreibung geht, redet niemand. Die Frauen sind dann allein und verlassen in ihrem Schmerz. Du konntest dem Vater deines Kindes nicht sagen wie es dir geht aber jetzt kannst du reden(schreiben). Und das ist gut so. Du darfst trauern und musst nicht allein bleiben. Weißt du es gibt Hilfe auch nach einer Abtreibung. Aber es wird nicht öffentlich darüber geredet. Frauen leiden nach einer Abtreibung, das weiß ich aus Erfahrung. Es ist so berührend wie du dir Sorgen gemacht hast um dein Kind, du hast es geliebt und liebst es immer noch. Such dir jemand mit dem du das alles "aufarbeiten" kannst. Im Internet findest du solche Seiten. Vielen lieben Dank das du hier geschrieben hast, es ist nicht umsonst. Schreib doch weiter wie es dir geht. Alles Liebe