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Fragen und Austausch zur Pränataldiagnostik

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Behinderte Kinder

Behinderte Kinder
24.08.2012 08:42
Ich habe mal eine Frage, vieleicht kann sie mir hier beantwortet werden, das Ungeborene zu töten ja bis zu 12. Woche "legal" ( Jetzt habe ich aber gelesen, das es wenn es aus medizinischer Sicht erforderlich ist das Kind auch später noch abgetrieben werden kann da stand nichts davon, bis zu welcher Woche. Heißt das, das behinderte Kinder praktisch gar keinen Schutz genießen? Dürfen sie getötet werden bis kurz vor der Geburt? "Bei medizinischer Indikation ist keine gesetzliche Frist festgelegt, innerhalb derer der Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden muss. Allerdings ist ab 2010 eine Drei-Tagesfrist vorgeschrieben, die der Arzt oder die Ärztin berücksichtigen muss, bevor er/sie die Bescheinigung über das Vorliegen der Indikation ausstellt. Die Drei-Tagesfrist wird wie folgt berechnet: bei pränataldiagnostischem Befund ab Mitteilung der Diagnose; bei anderen medizinischen Indikationen ab der Beratung beim Arzt/bei der Ärztin, der/die die Indikation ausstellt (siehe Seite 25). Diese Frist gilt nicht, wenn eine akute Gefahr für das Leben der Schwangeren besteht." die Info hab ich aus einer Pro Familia Broschüre...
6 Antworten
Hallo liebe Leni, es ist schrecklich, aber wahr. Wenn eine "akute Gefahr für das Leben der Schwangeren besteht" (sprich körperlich oder psychisch), kann ein Kind meines Wissens nach bis zur Geburt abgetrieben werden. 😮
Das habe ich befürchtet, ist ja grausam. Gilt diese Regelung nicht nur, wenn die Mutter in Lebensgefahr ist, durch die Schwangerschaft?
Falls sich jemand aktuell für das Thema interessiert, stehe ich gerne zur Verfügung. Sehr häufig werden Entscheidungen in dieser Hinsicht noch auf großer Unkenntnis getroffen, die heutige Regelung ist im Grunde eine Farce, weil durch die nun indirekte Diskriminierung lediglich pro forma eine Entscheidung des BVerfG umgangen wird.
Das Thema hier ist schon recht alt - aber sein Inhalt ist aktuell wie noch nie. Denn der Trend geht ja leider immer mehr dahin, sog. "perfekte Kinder" zu erzeugen.... Dazu auch eine kleine Anmerkung aus meiner Lebensgeschichte: Bei meinem letzten Kind war ich Ende 30. In den Augen der Medizin also eine Risikoschwangere sowohl für mich als auch für das Kind. Und somit wurde ich von meinem Prof angehalten, eine Fruchtwasseruntersuchung vornehmen zu lassen. Ich weigerte mich, denn meine Einstellung war von Anfang an: Wenn ich mich für Kinder entscheide, dann auch mit dem Wissen, dass es behindert sein könnte. Abtreibung war also auch hier kein Thema. Ich verkenne damit NICHT, dass es unendlich schwer ist, ein uU schwer ist, ein Kind mit Handicap großzuziehen! Und ich habe eine Riesenachtung vor den Eltern, die dies schaffen! Ichhatte das Glück, 4 gesunde Kinder bekommen zu dürfen, aber zu keinem Zeitpunkt hin bis heute war und ist das je selbstverständlich gewesen. Dennoch: Auch wenn ich von einer Behinderung gewusst hätte - Abtreibung wäre kein Thema gewesen. Danke für den Beitrag von Autist.
Dazu noch eine Anmerkung: Vor einigen Tagen sah ich einen Bericht über eine Mutter, bei deren Kind diese berühmte Nackenfaltenmessung (in meinen Augen allmählich eher Fluch als denn Segen) durchgeführt worden war und sich als auffällig erwies. Mutter verständlicherweise in Panik; Fruchtwasseruntersuchung (auch heute noch immer nicht ohne Risiko). Kind gesund. Das Gleiche habe ich bei Bekannten erlebt - sie erwarteten ihr drittes Kind und erlebten genau den gleichen Horror. Da sie jedoch auf keinen Fall abtreiben wollten, haben sie auf die riskante Amnioskopie verzichtet. Das war im 4. Schwangerschaftsmonat; die Nackenfalte blieb auffällig bis zur Geburt und die Eltern in totaler Ungewissheit und innerem Aufruhr. Kurz gesagt: Das Kind kam auch gesund zur Welt; sie hätten jedoch auch ein Downie akzeptiert. Was ich mich aber frage: WIEviele Kinder werden wohl aufgrund dieser Messung dann tatsächlich abgetrieben.....?
Ihr Lieben, Ich kann dazu eine eigene Erfahrung berichten. Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, haben die Ärzte festgestellt, dass das Baby ein Tumor hat. So etwas überleben nur wenige. Und wenn dann mit massiven Schäden. Keiner wusste ja auch, ob der Krebs gut oder böse ist. Somit wurde ich schon in der 20ten Woche vollstationär aufgenommen um das Baby gut beobachten zu können. Die Ärztin fragte mich Woche für Woche, warum ich das Ding nicht endlich weg machen lasse. Ich habe mich aber bewusst dafür entschieden, dem Wurm eine Chance zu geben. Selbst ein Tag vor meinem geplanten Kaiserschnitt hätte sie es noch weg gemacht. (32 SSW). Wie oft bekam ich mit, wie sie mit Kollegen telefoniert hat und sich über mich beschwert hat warum ich so doof bin und nicht abtreiben lasse. Mein Sohn hat den Kampf geschafft ist 7 Jahre alt und hat außer einer Blasen Darm Lähmung und einer Wahrnehmungsstörung nix. Ich bin so froh, nie auf solche Ärzte gehört zu haben. Nur mein Frauenarzt meinte, wir schaffen das. Ich war nach über 20 Jahren Praxiserfahrung die erste Patientin, welche mit so einem besonderen Kind schwanger sein durfte.... Ja besondere Kinder darf man bis zur Geburt wegmachen lassen. Das weiß ich aus Erfahrung!!!