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Fragen und Austausch zur Pränataldiagnostik

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Vorgeburtliche Untersuchungen

Vorgeburtliche Untersuchungen
hallo, mich beschäftigt das thema vorgeburtliche untersuchungen sehr und hier im infoteil hab ich da echt gute texte gefunden. eine bekannte von mir hat nämlich mit mitte 30 ein kind mit trisomie 21 bekommen. sie hat keine fruchtwasseruntersuchung machen lassen und sie hat es vorher nicht gewusst. natürlich hat sie sich auch gefragt warum gerade ich? aber sie hat ihre kleine angenommen, unterstützt sie, wo es nur geht und ich muss sagen, sie entwickelt sich prächtig. sie ist ein wahrer sonnenschein für ihre eltern und die geschwister. sie sprüht vor leben und alle haben sie total lieb. ich weiß nicht, welche belastung das für ihre schwangerschaft gewesen wäre, wenn sie es vorher gewusst hätte. gruß, estella
3 Antworten
Ich denke mal, dass wird von Fall zu Fall verschieden sein. Eine universelle Antwort wird man dir daher wahrscheinlich nicht geben können. Ich vermute allerdings, dass es eine höhere Belastung wäre, da sie sich mit der Frage auseinander gesetzt haben müsste, ob sie abtreiben soll, oder nicht. Ich denke, es war auf jeden Fall besser so.
hallo! eben habe ich deinen text entdeckt. ich schreib dir mal meine erfahrung. ich wollte bei allen meinen kindern nie eine pränataluntersuchung. meine jüngste tochter mit down-syndrom wurde als frühchen geboren. erst nach der geburt habe ich im mutterpass den vermerk "amniozenthese abgelehnt" entdeckt. unmittelbar nach der geburt sagte mir der diensthabende arzt quasi zwischen tür und angel, es müsse eine chromosomenzählung gemacht werden bei meiner tochter. so ganz frisch nach der geburt hat mich diese aussage natürlich sehr erschreckt, weil ich wusste, was das heißt. als das ergebnis (trisomie 21) da war, sagte mir der oberarzt wörtlich: "warum haben sie sich diese last aufgelegt?" bei diesem satz ist die löwenmutter in mir erwacht und ich hielt ihm entgegen: "ich verlese meine kinder nicht nach brauchbar und unbrauchbar!" inzwischen ist das mädchen 22, spielt instrumente, liest bücher, fährt mit öffentlichen verkehrsmitteln und im moment ist sie in einer ausbildung, die ihr viel freude macht. in den ganzen jahren haben wir schon sehr viel erfreuliches miteinander erlebt. ich selbst würde jeder mutter raten, sich ihre schwangerschaft nicht durch eine PND zu erschweren. die wartezeit auf der ergebnis ist sehr belastend. und noch viel schlimmer ist dann die entscheidung, die die eltern treffen müssen, weil es letztendlich die entscheidung für eine spätabtreibung bedeutet. lg iris
Ich möchte hier über meine Erfahrung erzählen. Amniozentese habe ich für meine beiden Kinder abgelehnt, denn für mich bedeutet das: ich nehme dich nur an, wenn du so und so bist. Ich denke, das das Kind es spürt und das möchte ich nicht. Hinzu kommt, dass das Risiko, das Kind zu verlieren oft größer ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gendefekt hat. Mein 2. Kind habe ich zuhause geboren. kurz nach der Geburt, kam die Vermutung der Hebamme: Trisomie 21. Das hat sich dann mit einem Gentest (mit Mundabstrich) später bestätig. Anfangs war ich sehr geschockt. Warum gerade ich? Mein armer Sohn, was habe ich dir angetan, dass ich dich so, mit dieser großen Behinderung, auf die Welt bringe? Meine Umgebung hat mich damals gestärkt und ihn niemals abgelehnt, das hat sich im Nachhinhein sehr positiv auf mich und ihn ausgewirkt. Sehr schnell habe ich nicht mehr ständig an die "Behinderung" gedacht. Es war mein Sohn, fertig. Mich hat es nicht mehr gestört. Die Unsicherheit kam eher von draussen: die Leute wissen nicht, was sie sagen sollen. Für Sie ist es, als ob mann eine Todesnachricht überbringen würde. Es ist kein wunder, denn diese ganzen Pränalteste wirken sich auch auf die allgemeine Meinung. Wie froh bin ich, nichts von der Trisomie gewusst zu haben!!! Es hätte meine Schwangerschaft schwer belastet. Meinem Sohn geht es gut, er entwickelt sich super, er ist ein richtiger Sonnenschein. Ich verstehe nicht, warum die Gesellschaft diese Kinder auszurotten versucht. Er ist für mich keine Belastung, und es geht ihm gut. Ich finde, das Leben zu geben, ist sowieso ein Risiko. Es kann so viel passieren! Wenn ein Kind bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommt, und Gehirnschäden davon trägt, wird er nicht getötet. Wenn ein Neugeborene durch Unfall oder Krankeit verbleibende Schäder erleidet, denkt man daran, ihm zu helfen, man hofft, dass es besser wird. Man tötet das Kind nicht. Es gibt ganz viele schlimmere Sachen für Kinder als die Trisomie 21, finde ich. Ich bin jeden Tag dankbar, dass mein Sonnenschein da ist. Ich musste bis jezt oft hören, dass ich jetzt eine "schwere Aufgabe habe". Davon habe ich noch nichts gemerkt. Es geht mir und ihm gut, die Familie wird nicht "zerstört", wie manche Leute es behaupten wollen, der große Bruder "leidet" auch nicht an seinem kleinen Bruder. Im Gegenteil, er liebt ihn sehr. Es KANN sein, dass mein Sonnenschein mich sehr lange und mehr braucht als mein erstes, aber genau kann es sein, aber es ist auch durchaus denkbar, dass das nicht mal der Fall ist. Wenn jemand an Krebs erkrankt, kommt keiner auf die Idee, ihn/sie zu töten, um ihn/ihr und seiner/ihrer Umgebung Schmerzen "zu ersparen". Und das Leiden, das Krebs mit sich bringt, hat in meinen Augen wirklich NICHTS damit zu tun mit dem vermeintlichen "Leiden", dass ein Kind mit Trisomie 21 bringen könnte. Statistisch gesehen, hat jeder Frau ca. 10% Chancen, an Brustkrebs zu erkranken. Es ist sehr viel. Wird eine Todespritze nach jeder Diagnose eines malignen Tumors angeboten, um der Betroffenen und derer Familie "das" zu ersparen, weil die Chemo, die Krankheit, und das Leben danach, wenn es überhaupt eins gibt, eine Zumutung darstellen? Hätte ich während der Schwangerschaft erfahren, dass mein Kind T21 hat, kann leider ich nicht sagen, ob ich es behalten hätte oder nicht. Jetzt bin ich sooooo dankbar, das er bei mir ist und es vergeht keinen Tag, ohne dass ich mich an ihn freue. Ich verstehe nicht, warum die Trisomie 21 eine derart schlechte Publicity bekommt... Leben und leben lassen. Grüße Lilou