Nach Abbruch so traurig...

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Cassa36
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User offline. Last seen 5 Tage 15 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 13.01.2020

Hallo...
Ich bin neu hier und hoffe vielleicht meine Sorgen mit jemandem teilen zu können.
Ich bin 36 und habe zwei Kinder von meinem Exmann. Seit einem dreiviertel Jahr bin ich wieder glücklich vergeben.
Und dann passierte das, was ich nie für möglich gehalten hätte. 1 Verhütungspanne und schwanger.
Wir waren beide fassungslos und nach 2 Wochen mit vielen vielen Tränen haben wir nach "vernunft" entschieden.
Ich habe vor 4 Tagen einen Abbruch machen lassen in der 7.ssw. Ich kann selbst kaum fassen, was ich da schreibe. Es fühlt sich alles wie ein schlechter Traum an.
Ich bin einfach nur traurig, traurig, traurig. Ich kann meinem freund kaum in die Augen sehen. Jedes mal sehe ich unser baby. Und jetzt ist es vorbei... Kennt jemand diese quälenden Gedanken, dass man vielleicht falsch entschieden hat? :(
Danke schon mal.

Cassa

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layla
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User offline. Last seen 2 Tage 20 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 08.03.2011
wie entscheiden?

Guten Morgen liebe Cassa,
das war sicher die große Frage.
Nun kannst du es fast selbst nicht verstehen, wie es gekommen ist. Und es tut dir so leid.
Es tut mir auch leid, wenn ich lese, wie es dir geht.
Es macht mich immer wieder nachdenklich, wie wir mit der Vernunft umgehen. Dass wir sie für höher achten als alles andere. Warum eigentlich? Ich bin da selbst nicht fertig. Frage mich nur immer wieder: Wie trifft man eine gute Entscheidung? Wie kommt es, dass man sein eigenes Gefühl immer wieder so übergeht?

Das "glücklich vergeben" ist so schön! Und mir kommt es so vor, als wärd ihr beide zusammengeblieben in dem Gefühls-auf-und-ab. Es war nicht so, dass eins von euch stark für und einer stark gegen das Kind war. Das kann euch jetzt auch helfen, weiter zusammenzubleiben.
Ich hoffe, ihr könnt sprechen. Nach und nach auch mit Blickkontakt. Dann wird es aufrichtig und man kann einander tragen. Auch wenn jetzt unterschiedliche Gefühle bei dir und bei ihm da sind. - Das alles braucht Zeit.

Vielleicht ging es mit der Entscheidung einfach zu schnell. Es besteht ja auch Zeitdruck vor einer Abtreibung in gewisser Hinsicht.
Gib dir auf jeden Fall jetzt Zeit. Auch die Zeit, traurig zu sein.
Schreib´ auch gern wieder - oder für dich selbst. Im Schreiben merkt man gut, was einem wichtig ist und hilft. Und was aufgeschrieben ist, kreist nicht mehr ständig in Gedanken. So kannst du im Innern ruhig werden.
Liebe Umarmung von Layla liebdrueck

Cassa36
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User offline. Last seen 5 Tage 15 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 13.01.2020
Vielen lieben Dank,

Vielen lieben Dank, Layla.
Ja, irgendwie glaube ich jetzt es war zu schnell. In der Situation allerdings musste ich entscheiden, die Ungewissheit hat mich gequält. Und jetzt quält mich die Entscheidung.
Er hätte das Kind am liebsten auch bekommen. Aber unsere Situation ist gerade noch sehr schwierig. Wit führen eine echte fernbeziehung zwischen Deutschland und Frankreich und haben beide Kinder aus einer vorherigen Beziehung. Er wird Ende des Jahres nach Deutschland ziehen, aber all das machte immer wieder den "unpassenden Zeitpunkt" zum Problem.
Er ist sehr einfühlsam und selbst total traurig. Trotzdem ist es nicht sein Körper. Er war nicht da als ich den test in der Hand hielt. Er hat den Herzschlag nicht gesehen. Er hat nicht das gefühlt, was ich gefühlt habe. Vielleicht war das auch "sein Glück". Vielleicht kann er deshalb besser damit umgehen. Er will stark sein, für uns alle. Aber ich kann das noch nicht. Ich funktioniere nur für meine beiden jungs, die es nicht verdient haben, jetzt unter der Situation zu leiden. Es geht ihnen mit meinem Freund das erste mal besser, 1,5 jahre nach der Trennung vom Papa.
...
Danke fürs zuhören!
...
LG Cassa

layla
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User offline. Last seen 2 Tage 20 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 08.03.2011
gute Aussicht

Liebe Cassa,
ihr hattet ja schon eine gute Aussicht, nämlich, dass er nach Deutschland ziehen wird. Allerdings wäre davor schon die Geburt gewesen. Und er hat ja auch einen Beruf dort. Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch die Sorgen einfach zu groß waren und daher die Entscheidung schweren Herzens schnell gefällt wurde.
Es ist nicht leicht, eine Beziehung aufzubauen über so eine Entfernung. Und mit zwei Kindern. Ist ja fast ein Wunder, dass ihr euch gefunden habt. zwinkern
Und dass deine Jungs sich mit ihm verstehen. Smile
Mach´dir keine Sorgen, dass sie jetzt unter der Situation leiden könnten. Man kann nicht jedes Leid ersparen. V.a. nicht den Kindern. Ich mag das Gedicht so gern von Erich Fried: Es ist wie es ist.
Du darfst jetzt traurig sein. Und darfst ihnen auch sagen, dass du gerade traurig bist und es so begründen, wie du es kannst und wie sie es verstehen. Jedenfalls: dass es nicht wegen ihnen ist. Das wäre belastend für sie. Aber eine traurige Mama bedeutet, dass es einfach Gründe gibt, traurig zu sein. Und dann dürfen sie es auch mal sein.
Sie lernen, dass Gefühle da sind und sein dürfen und man damit umgehen kann, nicht andere dafür verantwortlich machen muss.
Vielleicht werden deine Jungs mal fühlen, was dein Liebster jetzt nicht nachfühlen konnten: Wie es für eine Frau ist, wenn sie schwanger ist. Ob sie nun jemals erfahren was war oder nicht.

Liebe Cassa, ich glaube, es gibt einen Weg, wie du wieder froh und stark werden kannst. Eine Entscheidung zu bereuen, ist schon ein großer Schritt. Das heißt, du brauchst keine Kraft mehr aufwenden, um es dir schönzureden. Es ist, was es ist. Und du liebst dein Kind. Du lässt es eine Realität in deinem Leben sein, stellst es zu deinen Jungs dazu. Dann brauchst du nicht Verlorenem nachhängen, sondern gibst deinem Kind einen Platz. In deinem Herzen hat es ja sowieso einen. Vielleicht sogar einen Namen.
Es gibt Frauen, die andere Frauen nach einer solchen Erfahrung gut begleiten. Schau´ und hör´ dich um. Sich verstanden fühlen, ist immer eine große Hilfe. Dann ist man nicht mehr allein.
Ich wünsche dir einen guten weiteren Weg. Auch euch zusammen!
Liebe Grüße von Layla

Cassa36
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User offline. Last seen 5 Tage 15 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 13.01.2020
Hallo! Ein paar Tage liegen

Hallo!
Ein paar Tage liegen nun hinter uns. Und wir haben viel geweint. Es scheint als ob auch mein Freund aus dem Nebel aufgetaucht ist und nun realisiert was passiert ist. Er bereut mich nicht um mehr Zeit gebeten zu haben. Und ich bereue ihn nicht eindringlicher nach seiner Meinung gefragt zu haben. Nun bleiben wir also traurig und mit reuegefühlen zurück und können nur hoffen, dass wir das alles zusammen verarbeiten können.
Oft frage ich mich warum ich jetzt so klar sehe, während ich vor dem Abbruch so verwirrt und fast unzurechnungsfähig war. Wie ferngesteuert habe ich entschieden und mir keine Zeit gelassen. Ich dachte je länger ich warte, desto schwerer wird es.
Ich denke of daran wie es jetzt schwanger wäre. Wie ich mich gerade fühlen würde. Das Gefühl der unwiederbringlichkeit ist zermürbend. Und zeitgleich war es das was ich gewählt habe, was ich so entschieden und vorangetrieben hatte.
Ich fühle mich als schlechter Mensch. Als Frau zweiter Klasse. Unfähig Verantwortung übernommen zu haben und die Situation zu nehmen, wie sie ist.
Danke fürs zuhören und loswerden!

sunflower
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User offline. Last seen 4 Tage 12 Stunden ago. Offline
Beigetreten: 23.01.2020
Hallo Cassa36, ich denke ich

Hallo Cassa36,

ich denke ich kann dich sehr gut verstehen.

Ich selbst war letztes Jahr im Sommer schwanger und habe abgetrieben.

Letztes Jahr ging es bei mir drunter und drüber ... ich habe meine Arbeitsstelle verloren, gegen den Arbeitgeber geklagt und während diesen ganzen Stresses wurde ich auch noch schwanger. Meine derzeitige Lebenssituation ist nicht die Beste, um eine Kind groß zu ziehen. Ich lebe noch bei meinen Eltern und habe kein geregeltes Einkommen. Für mich war es eine schreckliche Erfahrung abzutreiben und ich komme bis heute nicht wirklich damit klar. Ich muss oft daran denken wie ich mich gefühlt habe, als ich noch schwanger war und auch daran, wie es sich angefühlt hat, als es nicht mehr da war....

Die Schwangerschaft an sich habe ich sehr spät bemerkt und konnte es anfangs gar nicht glauben.. ich war überfordert mit der ganzen Situation. Einerseits wollte ich das Kind haben, aber es ganz alleine großziehen, wie hätte ich das schaffen sollen?

Die Beratung war mir keine Hilfe....

Ich dachte damals auch, dass es nicht so schlimm werden würde, und ich gut damit leben kann. Aber leider erst danach, wie es meistens im Leben ist, wird man sich bewusst darüber.

Dieses Gefühl es falsch entschieden zu haben finde ich ziemlich krass...ich hoffe irgendwann, vielleicht, damit klar zu kommen.

Ich hoffe, es geht dir mittlerweile besser?