Medikamentöse Abtreibung - es war alles anders wie erwartet!

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annaläuft
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User offline. Last seen 3 Wochen 1 Tag ago. Offline
Beigetreten: 03/04/2019

Hey ihr Lieben,

ich möchte meine Erfahrung mit der medikamentösen Abtreibung mit euch teilen. Hauptsächlich deswegen, weil mir alles komplett anders war, als ich in jeglichen Erfahrungsberichten zuvor gelesen habe. Ich habe mich während der gesamten Dauer des Abbruches sehr hilflos gefühlt, da ich keinerlei Vergleichswerte hatte. Vielleicht hilft das ja jemanden in der Zukunft.

Kurz zu der Vorgeschichte: ich hatte die Goldspirale seit zwei Jahren drinnen und die Lage war immer perfekt bei jeder Kontrolle. Nun kamen ganz plötzlich meine Tage nicht und nicht - und nach fünf Tagen Verspätung hatte ich einen Schwangerschaftstest gemacht. Nur vorsichtshalber, denn - "das kann ja eigentlich gar nicht sein". Wie es im Leben aber nun mal so läuft, kam es doch anders: ich war schwanger, und von der Spirale nichts mehr zu sehen. Die hatte ich wohl komplett unbemerkt (!) ausgeschieden.

Nach einer Woche hin und her, weinen, Schuldgefühlen, vielen "ich kann nicht, ich will nicht, warum nur?" kamen wir dennoch zu dem Entschluss: es ist zu früh. Es geht jetzt einfach nicht - und die medikamentöse Abtreibung war die einzige Möglichkeit für mich. Ich war erst Anfang der 6 SSW als ich mich dazu entschloss und es war noch nichts zu sehen, außer eine kleine, noch leer scheinende Fruchtblase.

Soweit, so "gut" - der Ablauf war wie folgt:

--> die ersten Tabletten nahm ich beim Arzt direkt ein. Diese sollten das Schwangerschaftshormon stoppen und somit jegliches Wachstum verhindern. Nach 48 Stunden sollte ich dann die nächsten Tabletten (x2) nehmen, die eine Blutung und nach 1-2 Stunden eine Art Wehen auslösen sollten. Ich bekam noch zwei Ersatztabletten mit.

Nachdem alles befolgt war, blieb die Blutung jedoch aus und die Krämpfe, vor denen ich so Angst hatte, kamen nicht und nicht. Am Abend (nach zirka 12 Stunden) rief ich den Arzt verzweifelt an. Der sagte mir, ich solle die Ersatztabletten nehmen. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen wachte ich auf und: Nichts. Absolut nichts. Ich gehörte also tatsächlich zu den 3% (!) bei denen der Abbruch nicht funktionierte, nachdem ich zu den <1% (!) gehörte, bei denen die Spirale unbemerkt verloren geht.

Da man das Ganze aber nicht rückgängig machen kann, gab es nur eine Lösung: nochmal alles durch. Das heißt: wieder die ersten Tabletten schlucken. Und diesmal nach 48 Stunden nicht 2 Tabletten, sondern gleich 4, und zwar vaginal. Das sollten die Krämpfe stärker machen. Diesmal bekam ich nach der ersten Tablette ganz leichte Blutungen, aber eher einzelne Tröpfchen. Auch nach den 4 Tabletten bekam ich zwar ein unangenehmes Ziehen im Unterbauch, aber keine starken Krämpfe. Ich blutete einige wenige Tagen ganz leicht vor mich hin. Unwissentlich, ob es funktionieren würde, oder nicht.

Bei der Kontrolluntersuchung, ich glaube 2 Tage danach, sah man, dass das Ganze in Gang gesetzt war. Aber bei weitem nicht genug. Deswegen: 3 Tage lang, 3x2 Tabletten pro Tag. Let's go. Und wieder mal: gesagt, getan. Ich blutete, aber keine Krämpfe. Ich machte sogar wieder Sport.

Eine Woche später, nachdem ich die gesamte Zeit durchgeblutet hatte, aber nicht stark, wieder die Kontrolluntersuchung. Fazit: Ein bisschen Blut ist noch in der Gebärmutter, aber nicht mehr viel. Das geht mit der nächsten Blutung raus.

Das war auch der letzte Stand der Dinge bei mir. Ich habe nach einer Zwischenblutung auch meine Periode wieder bekommen und alles scheint in Ordnung zu sein (hoffentlich).

Die ganze Abtreibung hat bei mir also viele, viele Wochen gedauert, nach mehreren Versuchen. Blutung war da, starke Krämpfe nein, Angst: dauernd. Am meisten Angst, weil ich auch einfach niemanden hatte, der wusste, ob das normal war oder nicht.

Mein Fazit zu der "Geschichte": ich weiß, es war die richtige Entscheidung zu diesem Zeitpunkt. Ich würde das alles trotzdem nie wieder machen - dieses wochenlange Angst haben und nicht wissen, und dem Körper das zumuten, was ich ihm zugemutet habe: nie. wieder.
traurig