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Meine Geschichte und warum ich Pro Abtreibung bin

Meine Geschichte und warum ich Pro Abtreibung bin
was jede frau die gerade ungewollt schwanger geworden ist, wissen sollte: weißt du wie es ist ein ungewolltes kind zu sein? aufzuwachsen ohne liebe, mit dem ständigen gefühl unerwünscht zu sein? seiner mutter ein klotz am bein zu sein? es ihr nie recht machen zu können? zu glauben mit einem selbst stimme etwas nicht, nicht liebenswert zu sein? ich weiß es. ich bin w, 29 und leide noch immer unter all dem und vermutlich werde ich das auch mein restliches leben lang. als meine mutter im jahr 1984 mit anfang 20 ungewollt schwanger wurde, fügte sie sich brav der konservativen gesellschaft im ländlichen gebiet in dem sie lebte. abtreibung kam aus religiösen vorstellungen nicht in frage und so gründete sie mit einem mann den sie nicht liebte, eine familie. damit begann für jeden von uns seine eigene hölle. seit ich auf der welt war, lies mich meine mutter jede minute spüren, dass ich ihr leben zerstört hatte. dass sie wegen mir gefangen war in einer ehe die sie nicht wollte und beruflich nicht durchstarten konnte. mein vater liebte sie und ich glaube ihm ist bis heute nicht bewusst, dass nur ich der grund war, warum sie die beziehung mit ihm überhaupt fortführte. das tat sie sehr wiederwillig. er hat sehr unter der lieblosigkeit seiner frau gelitten und ist irgendwann dem alkohol verfallen. die tatsache, dass ich „nur“ ein mädchen war, machte es meiner mutter noch schwerer mich zu lieben. ich war ein sehr trauriges kind und erinnere mich, dass ich in der grundschule schon die beipackzettel der medikamente meiner oma durchgelesen habe um herauszufinden ob die tabletten geeignet waren sich umzubringen. ich weinte mich sehr oft in den schlaf. mein vater war vollzeit berufstätig und bekam das meiste davon nicht mit, zumal er mit seinen eigenen problemen beschäftigt war. in der rückständigen ländlichen umgebung in der wir lebten, wurdekindererziehung als frauensache angesehen. meine mutter war hysterisch und schrie mich wegen jeder kleinigkeit an. sie hatte null geduld mit mir und ich war eine ständige last für sie. sei versorgte mich, ich hatte zu essen, saubere kleidung und wenn ich ernsthaft krank war, ging sie mit mir zum arzt. bei allem anderen war ich mir selbst überlassen. als ich 4 jahre alt war, versuchten meine eltern ihre kaputte beziehung mit einem weiteren kind zu retten. dieses wunschkind war nun endlich der ersehnte junge. weder wurden meine talente erkannt, noch wurden diese gefördert. meine schulnoten waren egal, denn als mädchen sollte ich genau wie meine mutrter zur braven unterwürfigen hausfrau erzogen werden. heute denke ich, dass meine gar nicht so konservativ war wie sie sich damals gab, sondern ich sollte als strafe in der selben hölle landen wie sie sie für sich empfand. mit ca. 7 jahren machte sich meine bis heute andauernde essstörung das erste mal bemerkbar. so zogen die jahre ins land, als ich 10 jahre alt war, liesen sich meine eltern scheiden. meine mutter lies kein gutes haar an ihm und so kam es dass ich dieser herzlosen frau alleine ausgeliefert war. ich war extrem selbständig und viel zu erwachsen. aber das war ich weder weil ich so super intelligent war oder zielstrebig – nein ich war es weil ich nie das gefühl hatte, dass mich jemand auffangen würde wenn ich versagte. ich fühlte mich ganz alleine auf der welt. mit 13 lief ich von zuhause weg. die mutter meines besten freundes lies mich wegen bulimie das erste mal in die jugendpsychiatrie einweisen. ihr war das im gegensatz zu meiner mutter nach 2 tagen aufgefallen. die anschließende familientherapie verweigerte meine mutter. sie verkraftete es nicht als man ihr sagte, dass nicht ich das problem der familie war, sondern viel mehr die familie für meine probleme verantwortlich war. mit 14 versuchte ich mir die pulsadern aufzuschlitzen. damals trennte sich mein erster freund von mir und ich dachte lange zeit dass ich deshalb sterben wollte. erst viel später wurde mir bewusst, dass ich sterben wollte weil mit dem beziehungsaus mein einziger zufluchtsort weg war und ich meiner mutter wieder hilflos ausgeliefert war. ich war extrem frühreif. schmiss mich jedem mann an den hals, der mich ein paar stunden von der hölle zuhause wegbrachte. geliebt habe ich keinen davon. aber für diese männer war ich jemand. sie fanden mich wunderschön, haben mir zugehört und ich war ihnen wichtig. meine mutter hingegen empfand mich immer als konkurrenz und zog die dinge die ich schön fand ins lächerliche. nachdem sie mich mit 15 gegen meinen willen in eine ausbildung gezwungen hatte, hatte ich endlich eigenes geld, mit 16 zog ich von zuhause aus. die misshandlungen die ich erlebt habe, waren zu subtil, als dass irgendjemand von außerhalb eingeschritten wäre. sie waren psychischer natur, doch deshalb nicht weniger schlimm. die jahre vergingen, es folgten weitere 2 suizidversuche. ich experimentierte mit drogen um meinen psychischen schmerzen zu entfliehen. unbewusst hatte ich auch noch die kranken beziehungsmuster von meiner mutter übernommen und vertrieb damit alle männer denen wirklich etwas an mir lag. ich zeigte verhaltensmuster von missbrauchsopfern und wusste nicht woher das kam, bis ich erkannte, dass ich seelisch missbraucht wurde. heute mit 29 leide ich noch immer an depressionen und habe die essstörung nicht einmal ansatzweise im griff. ich trage einen riesigen zornesknoten in meinem bauch, der mir mittlerweile schon körperliche beschwerden beschert. oft wache ich nachts weinend mit alpträumen und bauchschmerzen auf. ich habe sodbrennen, mit 22 erkrankte ich an burnout. den letzten therapieversuch habe ich abgebrochen weil meine unfähigkeit die äußere maske vor meiner therapeutin abzulegen jede behandlung unmöglich machte. das schlimmste an all dem ist, dass meiner mutter das alles nicht bewusst ist, sie weiß nicht was sie mir angetan hat, sieht keinerlei zusammenhang zwischen meinem zustand und dem elternhaus. im gegenteil sie ist die märtyrerin der ich dankbar zu sein habe, dass sie ihr leben für mich weggeworfen hat. all dies hat mich zu einer überzeugten abtreibungsbefürworterin gemacht für frauen die ungewollt schwanger sind. oder kannst du all dies ausschließen? wirst du dein kind bedingungslos lieben, ohne jeglichen groll dass es mit seiner existenz deinen lebensplan verändert hat? wirst du ihm nie vorwürfe machen was du verpasst hast – wenn auch nur unbewusst? wirst zu dazu die geduld und vorallem die kraft haben? oder wirst du dich gefangen fühlen und ein teil von dir wird dein kind hassen? wirst du dem leben in freiheit nachtrauern, das deine freundinnen leben? wenn du dir nur bei einem punkt unsicher bist, dann treibe ab. "töte" lieber jetzt bevor dein kind ein bewusstsein entwickelt. quäle es nicht jahrelang um es später krank ins leben zu entlassen. zerstöre nicht dein und sein leben. du hast keine ahnung welche schmerzen so eine kindheit bedeuten, ich schon
24 Antworten
liebe lady in black, als ich deine geschichte gerade las, erwartete ich von satz zu satz, von jahr zu jahr, dass doch endlich endlich etwas gutes für dich kommen müsste, dass endlich ein hoffnungsschimmer dich herauslotsen möchte aus deiner trostlosigkeit – stattdessen erlebtest du immer wieder einen neuen tiefschlag, neue schmerzen, die nur du spüren konntest, und immer wieder unverständnis. wie du dein lebensgefühl und alle deine beschwerden beschreibst – das ist geradlinig, schlüssig und von dir ein einer sehr gut nachvollziehbaren weise erzählt. eine solche beziehung zur mutter, die niemals auch nur im ansatz warmherzig erlebt wurde, ist eine schwere hypothek. ich war richtig fertig, als ich das gelesen hatte. mit herzklopfen und schnellem atem. vermutlich hat dich das alles getroffen, weil deine mutter ihre gefühle nicht an der stelle so ausgelebt hat, wie es eigentlich richtig gewesen wäre, wo ihre gefühle eigentlich hingehört hätten. du vermutest ja, sie hätte den mann nicht heiraten sollen. wahrscheinlich hat sie dir auch nie mitgeteilt, was sie selbst gefühlt hat, was sie mit sich herumträgt, womit sie nie fertig geworden ist in ihrem eigenen leben. ihr möglichkeiten, sich zu äußern waren ja noch weniger als deine. deine möglichkeiten, die eigene geschichte zu reflektieren und daran zu bauen, sind immerhin ein wenig offener (ländlicher raum dreißig jahre später). ja, ich staune wirklich, wie du alles erzählen kannst. falls du jemals wieder an eine therapie denken solltest: mit diesem einstieg wärst du voll bei der sache. da sollte die therapeutin keinerlei schwierigkeiten mehr haben, so ehrlich wie du schreibst. manchmal ist schreiben leichter als reden. auch weil einen keiner sieht. also heb´dir das, was du hier geschrieben hast unbedingt auf als ein "dokument". es hat dich bestimmt viel gekostet. ich finde dich richtig tapfer! und ich finde, dass es besser ist, dass du lebst, als dass du nicht leben würdest. du hast menschen kennengelernt, die dich doch gesehen haben (die dich damals in die klinik gebracht haben). du hast einen vater, der für dich trotz allem viel bedeutet und doch so etwas wie ein hoffnungsschimmer ist in deinem leben. – wie ist dein kontakt zu ihm heute? du kannst heute auf eigenen beinen stehen und hast dich so bald du konntest von deiner mutter gelöst. das waren gewaltige schritte. und vielleicht spürst du so ein gefühl von frei-sein in dir, wenn du an diese momente denkst, als es endlich möglich war zu gehen? wo das gewollt-sein so in frage steht, ist liebe, also liebe, die man selbst geben und empfangen möchte, ein schweres kapitel. aber dass es männer gab, die wirklich wert auf dich legten, und dass du diese unterschiede spürst. das alles ist nicht selbstverständlich. da kann noch was werden. du weißt schon viel über dich. und ich finde, aus so wenig hast du doch viel gemacht! deine worte lassen sensibilität und wachheit und fähigkeiten erkennen. du, ich wünsche dir, dass du dir trotz der schmerzen und beeinträchtigungen, die wohl ein teil deines lebens bleiben werden, deinen lebensraum weiter erobern kannst und nicht aufgibst! was du empfangen hast, auch wenn es wenig ist, ist doch dein persönlicher schatz. und was du dazugewonnen hast, ist überaus wertvoll für dich und entspringt doch deiner ganz eigenen lebenskraft. wenn du zurückblickst auf deine lebenslinie .... wo siehst du dich heute? und wo möchtest du hin? mich hat deine geschichte sehr berührt. ich wünsche dir eine gute nacht! layla
Danke für deine Offenheit lady_in_black. Ich werde morgen 22 und stehe gerade kurz vor einer Abtreibung und das, was du beschreibst, ist genau das wovor ich große Angst habe, was ich nicht für mein zukünftiges Kind will. Der Vater des Kindes setzt mich zwar permanent unter Druck, dass ich es nicht tun soll (die Argumente sind alle sehr religiös geprägt), aber ich fühle mich im Moment noch nicht bereit dazu mit anfang 20 schon Mutter zu werden. Das Verhältnis deiner Eltern beschreibt einen weiteren meiner Gründe Abzutreiben. Ich bin jetzt gerade mal ein halbes Jahr mit meinem Freund zusammen, ich kann noch nicht mal annähernd sagen ob ich mit ihm mein Leben verbringen möchte. Und das ist keine Basis eine Familie zu gründen. Meine Pläne zu studieren, vielleicht noch ein bisschen was in von der Welt zu sehen, auf eigenen Beinen stehen zu können würden sich in Luft auflösen. Ich bin ein sehr liebevoller Mensch der niemandem weh tun möchte und ich liebe Kinder aber ich kann nicht ausschließen dass ich meinem Kind seine Existenz bewusst wie unbewusst vorwerfen würde. Zumal es ja gar nicht daran schuld ist. Dein Beitrag hat mich in meiner Entscheidung sehr bestärkt und ich danke dir dafür. Ich wünsche dir viel Glück für deine Zukunft und dass du trotz deines bisher schweren Lebensweges noch alles erreichst was du dir vornimmst.
hallo löckchen - und eigentlich auch nochmal lady-in-black, jetzt tut´s mir nochmal richtig innen drinnen weh ..... ich versuch´mal das zu beschreiben. dein lebens- und leidensbericht, liebe lady-in-black, hat sofort eine resonanz gefunden, eine ängstliche: könnte mir das auch passieren, dass ich mein kind so sehr verletze?? ja, solche gedanken kommen leicht, denn wer kann sich schon sicher sein, dass er nicht im leben irgendwann bewusst oder unbewusst einem anderen menschen etwas zu unrecht aufläd? bei den einen menschen löst dann so eine lebensgeschichte aus: oh, das könnte mir auch passieren. und sie trauen sich nicht mehr das, was sie vielleicht wirklich gut könnten. wer weiß. andere menschen – die kommen jetzt in unserem fall eher nicht vor – erheben sich und sagen: ich kann das besser – mir würde das nie passieren! ob sie gefeit sind? oder ob gerade sie gefährdet sind, schlimme fehler z.b. im verhältnis zu ihren kindern zu machen?? solche menschen kennt man ja, oder? man kann sich ja nicht immer so einschätzen, wie man wirklich ist. ja, und wer weiß, was das leben bringt? und wer außer einem selbst kann dann am ehesten das beste draus machen? @ löckchen: darum tut´s mir weh, dass du dich so in die reihe der mutter von lady-in-black stellst. dabei bist du doch ein ganz anderer mensch: ein sehr liebevoller mensch, der niemandem weh tun möchte – das ist doch eine ganz andere voraussetzung, als z.B. die beschriebene mutter erkennen ließ oder tatsächlich hatte. hier vorzeitig, ohne die genaueren umstände zu kennen, ohne die eigenarten der person und der situation zu kennen, eine parallele zu ziehen – ob das dir, deinem freund und deinem zukünftigen kind gerecht wird? und deine möglichkeiten sind andere. ich meine jetzt z.b. auch die zeit (30 jahre später) und „land und leute“. also du bist da viel freier! dein freund sollte verstehen, dass schwanger sein nicht automatisch heißen kann, dass er der mann deines lebens ist. ob du so mit ihm reden kannst? grade im moment einer unerwarteten schwangerschaft hat eine frau genug mit sich selbst zu kämpfen und kann nicht auch noch die beziehungsfrage auf sich nehmen (wenn sie nicht zufällig schon einigermaßen eindeutig ist – dann wäre die schwangerschaft ja sozusagen der positive „stups“ ). da muss er sich halt etwas gedulden, oder? und wenn ihm das kind schon wichtig ist, wäre es ja sehr verdreht, wenn er dir so zusetzt, dass du keine andere möglichkeit in betracht ziehen magst, als abzutreiben. dann schon fast wegen ihm. „Meine Pläne zu studieren, vielleicht noch ein bisschen was in von der Welt zu sehen, auf eigenen Beinen stehen zu können würden sich in Luft auflösen.“ – ob das so sein muss? ob das kind das alles verhindern würde? es kommt ja auch drauf an, wer sonst noch um einen herum lebt wie deine eltern und deine freunde mit deiner neuen situation umgehen würden. ob das mehr abhängigkeit bedeuten würde oder mehr achtung vor deinem eigenständigen weg. und es kommt drauf an, was denn ganz konkret deine lebenspläne sind. – dass du sie erreichst, das wünsche ich dir von ganzem herzen. und dass du deine liebevolle seite leben kannst! liebe grüße an euch beide! ich finde diese begegnung hier etwas ganz besonderes. und @löckchen nochmal: einen schönen geburtstag morgen! so ein tag lässt einen ja auch zurück und nach vorne blicken und hilft einem, den kurs zu bestimmen. die steuerfrau bist du! liebe grüße von layla p.s.: und ich hoffe, löckchen, dass du nicht nur noch "ein bisschen was" von der welt siehst, sondern richtig richtig vieeeel!! und welt zeigen, einem kind, das ist auch was sehr schönes!
hallo löckchen, jetzt hat dich der beitrag von lady in black angesprochen, einfach weil du dich da teilweise wiedergefunden hast. mich hat ihr lebensbericht wahnsinnig erschüttert und mir fehlten bisher die worte (...für dich, liebe lady!). ob du grad überhaupt so wirklich aus deinem innersten heraus entscheiden kannst, wo du im moment so bedrängt bist von deinem freund? von dir selbst erzählst du, dass du ein sehr liebevoller mensch bist und niemandem weh tun willst. ich kann mir gar nicht vorstellen, wie du das in dir drin zusammenbringen kannst... morgen feierst du geburtstag – ja, wie schön, dass DU geboren bist...mit all deinen lebensplänen und liebenswerten herzenseinstellungen - und gleichzeitig hast du diesen termin vor dir... traust du dir selbst nicht, dass du denkst, du wärst mal vorwurfsvoll deinem kind gegenüber? so wie du klingst, musst du eine ausgesprochen klarblickende frau sein! ich würde dir zutrauen, dass du es schaffst, deinem kind eine mutter zu sein, wie du sie dir vielleicht immer gewünscht hattest, und dass du auch mit kind deine pläne wie studium, auf eigenen beinen stehen und reisen (kann auch mit kind schön sein) verwirklichen kannst. eventuell könntest du deine entscheidung jetzt auch erstmal unabhängig davon treffen, ob dein freund auch dein lebenspartner sein wird. das dürfen auch zwei entscheidungen sein, die jetzt nicht gleichzeitig fallen und auch nicht zwangsläufig gleich ausfallen müssen. für morgen einen besonders guten tag ...und dass du liebevolle frau stets liebevolle menschen um dich hast! liebe grüße, jana
Hallo löckchen, was du von dir erzählt hast, hat mich - nach dem, was lady-in-black schon geschrieben hat - sehr, sehr bewegt... du trägst wahrscheinlich schon länger daran, dass du unerwartet schwanger geworden bist. Und jetzt hast du dich hier wiedergefunden ... und doch hast du deine ganz eigene Lebensgeschichte mit kostbaren Wünschen und Vorstellungen - und deine Entscheidung deine ganz eigene – wie die wohl zu Stande kam? Ich kann ich mir gut vorstellen, dass du auch hin- und hergeschwankt bist und viel überlegt hast. So eine gewichtige Entscheidung trifft man nicht vorschnell und unüberlegt. Du hast dich hoffentlich, außer mit deinem Freund, noch hilfreich mit (anderen) wohlmeinenden Menschen in deinem Umfeld besprechen können?! „Anderen“ in Klammern, weil er es im Grunde auch gut meint, könnte man sich vorstellen ...bei dir kommt das nur grade nicht so an, gell?! Geburtstag und so ein Termin muss dir ziemlich gemischte Gefühle machen... Erstmal alles, alles Liebe für deinen Geburtstag, ich denk an dich Hanna
wow danke für die vielen meldungen. ich beantworte ein paar fragen und zu einigem möchte ich noch kommentare abgeben. @layla: ja schreiben ist für mich leichter. reden kann ich darüber nicht. das war auch der grund warum die therapie nicht klappte. die therapeutin sagte dass die person die solche dinge schreibt nicht die person ist die mit ihr spricht und damit hatte sie absolut recht. ich durfte nie jemandem zur last fallen und wenn ich als kind meinen kummer äußerte, hieß es von meiner mutter:“ jetzt hör auf zu weinen oder ich geb dir gleich einen richtigen grund dazu. du hast ja keine ahnung wie gut es dir geht!“ ich habe also eine glückliche schauspielrolle von mir erschaffen und nach so vielen jahren, ist es mir nahezu unmöglich diese vor anderen abzulegen und zuzugeben, dass eben nicht alles in ordnung ist. der kontakt zu meinem vater: nachdem meine mutter ihn jahrelang drangsaliert hatte, hat sie es geschafft und ihn so weit getrieben, dass ihm einmal die hand ausgerutscht ist. damit gilt sie bis heute als armes opfer und er als böser schläger. nicht dass ich handgreiflichkeiten in irgendeiner weise gutheiße, das war sicherlich kein kavaliersdelikt. dennoch denke ich dass man mit psychoterror wie ihn meine mutter betreibt, fast jeden menschen dazu bringen kann. als kind jedoch, glaubte ich ihr. wie böse er sei und wie arm sie. sie hatte ja mehr zeit zuhause um auf uns kinder einfluss zu nehmen und hat uns schon lange vor der scheidung gegen ihn aufgehetzt. das führte dazu dass mein bruder und ich den kontakt zu ihm abbrachen. die beiden reden bis heute noch nicht miteinander. ich traf vor ca 7 jahren die neue frau meines vaters zufällig. sie bemühte sich sehr um mich und erzählte mir zu allen vorwürfen die ich von meiner mutter übernommen hatte die andere seite. dinge die meine mutter unterschlagen oder verdreht hatte. seit damals haben mein dad und ich wieder kontakt. aber es ist bis heute merkwürdig, immerhin haben wir ja jahrelang nicht miteinander geredet und das bereue ich sehr. als ich damals von zuhause weggelaufen war, war mein eigentlicher plan, mich irgendwie in die nächste größere stadt durchzuschlagen und dort den babystrich zu finden. einige jahre zuvor war der film "Natalie – Endstation Babystrich" im fernsehen gewesen. ich wusste nicht warum die menschen so einen wirbel darum machen. ich fand ihr leben überhaupt nicht schlimm. im gegenteil ich sah es als chance aus meiner hölle raus zu kommen. ich kann erst seit einigen jahren benennen warum es mir so geht. davor wusste ich nicht woher das alles kommt, es war nicht zuordenbar und ich glaubte ich sei einfach krank. nach dem liebeskummer meines lebens, las ich ein buch „wenn frauen zu sehr lieben“. erst da wurde mir klar was los ist, was eine dysfunktionale familie ist und wie das alles zusammen hängt. seit damals hab ich zig psychologiebücher zu dem thema gelesen, doch wissen um die zusammenhänge alleine heilt nicht. @löckchen: fairerweise muss ich sagen, dass es nicht allen zwangsweise so ergehen muss wie mir. dennoch glaube ich auch dass die dunkelzahl der opfer solch ungewollter schwangerschaften viel höher ist. aber die zusammenhänge sind oft nicht klar. kinder sind halt einfach hyperaktiv, haben essstörungen, erkranken an borderline usw. all diese dinge werden oft als separate erkrankung gesehen, was aber wirklich dahinter steckt, kommt oft nie ans tageslicht. meine mutter ist auch ein allgemeinhin als liebevoll bekannter mensch. nur eben nicht zu mir. ich erzähle dir hier noch kurz die geschichte zweier freunde von mir, wie sie unetrschiedlicher nicht sein könnten: meine freundin war mit anfang 18 schwanger. ihren freund hat sie nicht geliebt, sie war bei ihm weil er sie aus einem noch viel schlimmeren elternhaus befreite. er wollte das kind. sie war damals der meinung abtreibung sei mord und so bekam sie es. ein mädchen. in den nächsten jahren trennten sich die beiden und sie zog mit dem mädchen in eine eigene wohnung. oberflächlich betrachtet passt alles. das kind ist versorgt, geht zur schule, wird nicht körperlich misshandelt usw. meine freundin jedoch ist totunglücklich und bereut es zutiefst nicht abgetrieben zu haben. sie liebt ihr kind nicht. sie funktioniert einfach und gleichzeitig hasst sie sich selbst dafür weil sie es nicht kann. noch dazu kann sie mit kaum jemanden darüber sprechen, denn unsere gesellschaft verurteilt solche frauen anstatt ihnen zu helfen. die kleine tut mir unendlich leid. bei meinem besten freund ist es umgekehrt. im ersten studienjahr wurde seine freundin schwanger. sie war lange unentschieden was sie machen sollte. er hat ihr das kind ausgeredet. nicht mit drohungen, aber mit logik. geld… studium… usw. sie gab nach, er begleitete sie zur abtreibung. danach meinte sie, sie brauche einige tage zeit für sich alleine. aus den tagen wurden wochen, sie trennte sich von ihm. bis heute redet sie kein wort mehr mit ihm, bezeichnet ihn als mörder. ihr studium hat sie abgebrochen und sie ist in psychologischer behandlung. ihm tut das wahnsinnig leid. er hat sie wirklich geliebt. er meint heute das war der fehler seines lebens. er sagt auch wenn sein leben heute viel schwieriger wäre, wäre es doch gleichzeitig sehr viel glücklicher verlaufen. du siehst also es gibt keine patentlösung. ich stehe aber trotzdem zu meiner meinung. es ist die realität was ich erlebt habe. und ich fürchte keine therapie der welt kann fehlende mutterliebe ersetzen. diese emotional verhungerten kinder werden niemals ein normales leben führen können und das bei vollem bewusstsein miterleben
ich bin ein ungewolltes Kind. Das Drama meiner Eltern würde hier den Rahmen sprengen, aber, ICH, das ungewollte Kind, lebe so gern!!! Und ich danke meinen Eltern für das was sie für mich getan haben und ich vergebe ihnen gern was sie nicht getan haben, auch wenn es noch so schmerzlich ist. Es gibt so viel Schönes im Leben, schade um die Zeit um sich mit Defiziten zu beschäftigen. Liebes löckchen, was würde dein Kind sagen wenn du es fragen würdest, möchtest du lieber sterben oder ich gebe dich Menschen die dich möchten? Ein großes Opfer für dich, doch dein Kind würde dich dafür lieben. Patentrezepte gibt es nicht, aber voreiliges Handeln ist sehr verbreitet. Es gibt einzelne die bereuen das Kind bekommen zu haben, doch jede menge Frauen die, die Abtreibung bereuen. Meine Eltern sind nicht an mir, dem ungewollten Kind, zugrundegegangen, sondern an dem späterem abgetriebenen Kind. Auch das sollte man bedenken. Übrigens, jedesmal wenn ich höre, " es ist besser ein ungewolltes Kind abzutreiben", hört sich das für mich so an, als ob man mir sagen würde,"für dich wäre es besser man hätte dich abgetrieben". Bitte, meine Zeilen, nicht falsch verstehen, ich habe nur meine Gedanken mitgeteilt und wollte niemand angreifen oder gar verurteilen, ich bin so froh das ich lebe und diese unbändige Freude wünsche ich allen. liebe grüße rahel
liebe lady_in_black, deine Geschichte geht mir unter die Haut, habe ähnliches erlebt.
Lady, verstehe ich das richtig: Einerseits gab es in Deinem bisherigen Leben so viele Gelegenheiten, bei denen es Dir Kraft zum Weiterleben gegeben hätte, wenn mal jemand auf Dich aufgepasst hätte, was auch Deine Freunde taten, und andererseits gibt es dieses Verhaltensmuster, das Dich hindert? Zu Deiner Position: Du ziehst in Erwägung, dass unter bestimmten Umständen ein Baby sein ganzes zukünftiges Leben lang zu sterben wünschen wird? Löckchen, ich geniere mich ein bisschen. Es steht ja vor meiner Nase: "Ich verpflichte mich, in meinen Beiträgen feinfühlig zu antworten und im Interesse der schwangeren Frau keine Grundsatzdiskussionen über Abtreibung zu führen.", und gerade davon hast Du die Nase voll. Sag es bitte, wenn Du genug hast, zeig Dich ruhig gereizt. Schmarrn hab ich mittlerweile genug getan, um den Ärger gewohnt zu sein! Liebe Grüße an Euch beide, Eichkätzele
Meine Fragen klingen nicht gerade angenehm, merke ich. Lady_in_black, mich interessiert Deine Person, weil Du mir halt klasse scheinst und viel erlebt hast, ich habe jetzt nicht vor, Dir meine eigenen Kästchen aufzustempeln. LG Eichkätzele
ich meine dass es umstände gibt die so schwerwiegend sind dass sie das ganze leben derartig überschatten, dass man sich wünscht man wäre nie geboren worden. und obwohl es in meinem leben auch positive dinge gab und gibt und ich zb seit 3 jahren einen wahnsinnig tollen mann gefunden habe, so ist es trotzdem so dass ich nüchtern zusammen gerechnet mit einem fetten minus aussteige. und ich würde an jedem tag, selbst an meinen glücklichen tagen, jederzeit den knopf einer zeitmaschine betätigen und meine eigene geburt in diese familie verhindern.
bin gerade auch da und deine worte, sie "hauen richtig rein". weißt du, das zieht einen fast mit runter und ich stehe vor dir und denke: o nein - das kann nicht sein, dass jemand spricht, fühlt, schreibt, gelesen wird, liebt geliebt wird - und nicht leben will. es kann solche zeiten im leben geben, wo man fühlt, es wäre besser, man wäre nicht da. aber spürst du nicht den widerspruch? dass andere menschen sehr wohl wollen, dass Du da bist!??! dass du dich auch betätigst, beteiligst - eben lebst. seine eigene geburt verhindern - das is eben nicht. jeder mensch wird (also passiv) vor die aufgabe gestellt, sein eigenes leben zu leben. und das tust du. du bist doch da, dich verlockt etwas, hier zu sein! was ist es? ich hoffe - ehrlich gesagt - dass es nicht das ist, ein negatives lebensgefühl zu verbreiten. wenn du allgemein über lebensumstände schreibst, die es einem vermiesen, leben zu wollen. die frage ist doch, wohin man blickt, worauf man sich ausrichtet, was man anpackt. von meiner seite ein leidenschaftliches: das leben ist - trotzdem - schön! ich brauch´ das richtiggehend, weil mich sonst deine worte echt runterziehen. darf ich dich noch was fragen: wofür würdest du gern freier sein? was würdest du gerne tun oder sein, wenn dich dein lebensgefühl nicht so sehr am leben-genießen hindern würde? ich wünsch´ dir einen guten tag heute! layla
als kind habe ich mir wenn ich traurig war oft eingeredet dass ich im krankenhaus vertauscht wurde und dass der irrtum bemerkt werden würde und mich meine echte familie dann abholen würde. als ich den leberfleck am bauch meiner mutter entdeckte, der mit meinem eigenen absolut identisch ist, brach für mich eine welt zusammen. da wusste ich, niemand würde mich je abholen... später wünschte ich mir einfach mein gedächtnis zu verlieren und nocheinmal neu ohne diese ganzen altlasten starten zu können. ohne die gefühle und schmerzen die immer da sind. du siehst also, ich habe nicht generell ein problem zu leben. leben kann toll sein – aber nicht um jeden preis und mein preis ist definitiv zu hoch gewesen. ich frage mich immer wieviel angst vorm tod menschen haben müssen die mir das leben krankhaft schönreden wollen… ich bin noch hier weil mein körper robuster ist als der eines durchschnittsmenschen und weil es einen gewaltigen unterschied macht nie existiert zu haben oder sich später umzubringen. und das ist auch der unterschied für meine umgebung. hätte ich nie existiert könnte auch niemand um mich trauern, denn sie haben mich ja nie gekannt. man kann nichts vermissen das es nie gegeben hat. abgesehen davon ist es nicht meine aufgabe hier zu sein weil andere das so wollen. layla, wenn dich mein text runterzieht, dann ließ ihn einfach nicht. ich will hier auch keine diskussion oder therapie starten, ich wollte lediglich auf ein tabu thema aufmerksam machen, das unter umständen in der entscheidungsfindung ungewollt schwangerer berücksichtigt werden sollte. man liest und hört immer nur von frauen die ungewollt schwanger waren, das kind bekommen haben und nun ist alles friede freude eierkuchen und sie würden ihr kleines nie wieder hergeben – doch was ist mit den anderen frauen bei denen das nicht funktioniert hat? die ihr kind als den größten fehler ihres lebens betrachten? es gibt sie, aber darüber traut sich niemand zu sprechen. betroffene selbst werden beschimpft und verurteilt wenn sie es wagen sich auch nur in die richtung zu äußern. also leiden diese frauen samt ihren familien still vor sich hin, nehmen oft medikamente um zu funktionieren. und alle paar wochen steht dann wieder so ein fall in der zeitung. es sind die babys die zu tode geschüttelt wurden, die kinder die grün und blau geschlagen und/oder unterernährt aufgegriffen werden oder gar erst dann wenn sie verhungert sind. es sind die babys die jahrelang tot in tiefkühltruhen liegen und die kinder bei denen doch was nach außen gedrungen ist und die rechtzeitig in ein heim oder in eine pflegefamilie gebracht wurden. später sind es die erwachsenen die sich umbringen, die die (gewalt)verbrechen begehen, die die drogensüchtig oder alkoholabhängig sind. es sind die erwachsenen die selbst medikamente brauchen um zu funktionieren oder überhaupt in einer anstalt landen, wenn die depressionen und traumen zu schwer wiegen. die suizidberichterstattung in den medien ist stark eingeschränkt und deshalb sehen viele menschen die tragweite nicht. man liest kaum davon, also gibt es sie in den augen der allgemeinheit auch nicht… : http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt googelt die biografien von selbstmördern, mördern oder psychisch gestörten rechtsbrechern. in den allermeisten fällen beginnt ihre geschichte, mit einer frau die ungewollt schwanger war und das kind bekommen hat, weil sie meinte es ginge schon irgendwie. leider reicht dieses „irgendwie“ aber oft nicht. googelt „ich hasse meine kinder“ und seht selbst wie die frauen von denen ich spreche fertig gemacht werden weil es bei ihnen nicht funktioniert hat.
ich habe schon gedacht, dass du dich heute nochmal meldest. war neugierig.... du legst nochmal drauf. und ich lese es - trotzdem. und ich würde dir so wünschen, dass du einen anderen faden, einen anderen lebensfaden aufnehmen könntest. ja, man kann alles schlimme auf der welt über einen sachverhalt wickeln. (habe mal gehört, dass selbstmörder immer nur dunkle vokale in ihrem namen haben, deshalb ... sowas kann einen richtiggehend fesseln.) ich glaube nicht, dass das dem einzelnen menschen gerecht würde. du wirst dich wundern: der satz, den ich googeln soll, entfährt mir bisweilen - und - ich liebe sie!!! das leben ist immer beides. es geht darum, was ich verfolge, welchen faden ich aufnehme, was ich nähre, suche, tue ... so jedenfalls meine überzeugung. und meine erfahrung. ich glaube nicht an das zwangläufige im leben. und das ist freiheit. und die liebe ich! herzlich, aber jetzt bis morgen - ich liebe die warmen sommernächte! layla
Weil sich in diesem Thread eine Frage stellt, die sowohl für einzelne Frauen im Schwangerschaftskonflikt, als auch in der gesellschaftlichen Diskussion über Abtreibung im Allgemeinen von großer Tragweite ist, möchten wir an dieser Stelle als Pro Femina Stellung beziehen. Die gestellte Frage lautet: Ist es für ein ungeborenes Kind, das ungewollt ist, möglicherweise ungeliebt oder die vermeintlich sichere Perspektive auf eine „schlechte“ Kindheit hat, besser auf die Welt zu kommen oder ist es für dieses ungeborene Kind besser, nicht weiter zu leben? Damit gehen aber zwangsläufig auch folgende Fragen einher: Was ist eine gute, was eine schlechte Kindheit? Gelten für alle dieselben Maßstäbe? Was ist ein lebenswertes Leben, was nicht? Kann und darf irgendwer über das Leben eines anderen Menschen in dieser Weise urteilen und richten? Kann so ein Urteil dann für ein ganzes Menschenleben gelten, das in der Regel über 80 Jahre dauert? Und schließlich: Wer kann diese Entscheidung treffen, wer trägt die Verantwortung und wer die Konsequenzen solch eines Urteils? Überall auf der Erde kommen jeden Tag abertausende von Babys zu Welt. Ihre Mamis waren gewollt und ungewollt schwanger; ihre Eltern lieben sie meistens sehr – manchmal auch nicht. Sie werden geboren in Afrika, in Asien, in Europa – einfach überall. Sie haben schwarze oder braune Haare, sind blond oder haben kein einziges Haar auf dem Köpfchen. Manche sind groß und schwer, manche klein und leicht. Die allermeisten sind kerngesund, manche aber auch nicht. Sie kommen in reichen, in armen oder in ganz durchschnittlichen Familien zur Welt. Manch einer dieser Kleinen wird eines Tages 100. Geburtstag feiern, andere die Volljährigkeit nicht erleben. Diese anderen werden nicht alt, weil sie hungern müssen und kein sauberes Trinkwasser haben, weil sie sehr krank werden oder Gewalt erleiden müssen. Wären die Leben dieser anderen Menschen deshalb besser nicht? Wir bei Pro Femina tun unsere Arbeit aus der tiefen Überzeugung heraus, dass wir diese anderen Menschen, die Hungernden und Durstenden, die Leidenden, die Verletzten, die Kranken und die Verzweifelten nicht richten dürfen, sondern ihnen Liebe, Gerechtigkeit und Hilfe schulden. Hunger stillt man mit Brot, Durst mit Wasser, gegen Gewalt hilft nur konsequenter Schutz, gegen die meisten Krankheiten Medizin und bei Verzweiflung und Trauer können Anteilnahme und Nächstenliebe Heilung und Trost geben: Das sind nach unserer Überzeugung die Antworten, die wir den leidenden Menschen dieser Welt schulden. Wir glauben nicht, dass die Probleme dieser Welt durch Abtreibungen gelöst werden. Mit anderen Worten: Wir glauben, dass das Wohl dieser Menschen entscheidend davon abhängt, wie JEDER VON UNS persönlich und real auf die Frage antwortet: „Wer ist mein Nächster?“ Im Falle von Pro Femina sind diese Nächsten, die vielen hundert Frauen im Schwangerschaftskonflikt, die sich Monat für Monat, Jahr für Jahr an uns wenden. Wir glauben nicht, dass irgendwer das Recht haben kann, diese Frauen zu richten oder zu verurteilen. Als Pro Femina haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, alles in unserer Macht stehende zu tun, um diesen Frauen zu helfen, eine konstruktive Antwort auf ihre Krise und ihren Konflikt zu finden. Das tun wir, indem wir Information, Beratung und wo es nötig ist, konkrete Hilfe anbieten. Das Ziel unseres ganzen Tuns und Ringens, ist es die Probleme zu lösen, die die Frau als Ursache für ihren Schwangerschaftskonflikt benennt. Wir glauben, dass eine Schwangere nur dann wirklich selbstbestimmt und frei entscheiden kann, wenn sie eine echte Alternative für ein Leben mit ihrem Baby hat. Die große Mehrheit der Schwangeren, die sich an uns wenden, entscheiden sich nach unserer Beratung für ihre ungeborenen Kinder. Diese Kinder werden glücklich und unglücklich sein; sie werden wunderschöne Momente erleben und auch mal traurig sein. Eines Tages werden sie Erwachsene sein und schließlich auch „in die Jahre kommen“. Die allermeisten von ihnen werden sicher zurückblicken, dankbar sein für ihr Leben und vermutlich mit dem Alter hadern. Sie werden aber auch auf Erlebnisse zurückblicken, die schmerzhaft waren. Sie werden stolz sein auf vieles und einiges sicher auch bereuen. Vielleicht wird es darunter auch Menschen geben die sagen, es wäre ihnen lieber, sie „wären nie geboren“ worden oder dass sie „jederzeit den Knopf einer Zeitmaschine betätigen“ würden, um die eigene Geburt rückgängig zu machen. ABER: Hat irgendwer das Recht, dies für einen anderen Menschen zu entscheiden, und zwar lange bevor dieser selbst befragt werden und etwas dazu sagen konnte? Wir glauben fest, dass die richtige Antwort auf menschliches Leid, auf Schmerz und Verzweiflung darin besteht, zu helfen und Mitverantwortung zu übernehmen. Niemals darin, diesen Menschen - ob geboren oder ungeboren – die Chance zu nehmen weiter zu leben, für sein Leben Verantwortung zu übernehmen und es zu verändern. Mit der Hilfe vieler anderer! In dem sehr bemerkenswerten Film „La vita é bella“ („Das Leben ist schön“) von Roberto Benigni, geht es um eine italienisch-jüdische Familie die zur Zeit des 2. Weltkrieges in ein Konzentrationslager deportiert wird. Unter entsetzlichen Umständen – etwas unmenschlicheres als ein KZ kann man sich kaum vorstellen – versucht der Familienvater Guido gleichwohl „das Beste“ aus der Situation zu machen. Er überzeugt seinen kleinen Sohn davon, dass der Aufenthalt in dem KZ vorübergehend und in Wirklichkeit ein Spiel ist, an dessen Ende die Sieger einen echten Panzer gewinnen. Aus Liebe zu seinem Jungen sprengt dieser Vater in seinem Kopf die Grenzen und Mauern dieses KZs und erschafft eine innere Freiheit, die ihm – obwohl inmitten totaler Unfreiheit – dennoch niemand nehmen kann. Er entscheidet sich für Verantwortung, anstelle von Selbstmitleid, Zynismus oder Resignation. Am Ende bezahlt dieser Vater das „Spiel“ mit seinem Leben. Selbst als er abgeführt wird, um exekutiert zu werden, hält er an dieser inneren Freiheit fest und verwandelt das eigentlich unerträgliche Unrecht, indem er alldem einen Sinn zu geben vermag. Er opfert sein Leben, damit sein Sohn weiterleben kann. Dem Zuschauer indes wird deutlich: Jedes Leid und jeder Schmerz sind aushaltbar, aus Liebe. Das Leben ist schön. Wer diesen atemberaubenden Film sieht, beginnt zu vestehen, wie tief und wie weitreichend diese Wahrheit ist. Pro Femina
Liebes ProFemina Team, vielen Dank für diese liebevolle und unter die Haut gehende Stellungsnahme! Ich bin zu Tränen gerührt!
Ich glaube, die Großen haben das Spiel beendet Dachte schon, dass es auf Sinn und Verantwortung hinausläuft. Der "fette Minus" wundert mich ein bisschen, denn bei mir gehen die Freuden sozusagen auf ein anderes Konto als die Schmerzen… Werther-Effekt ist mir schon klar, Google-Suche ergab aber was Anderes. Ja, der Zusammenhang Abtreibungswunsch-Selbstmordwunsch… Logisch. Immer noch logisch: Ich bin vielleicht da, um den Kriterien (Intelligenz, Empfindsamkeit, vor allem Zuverlässigkeit war mir ein Problem, war mir da meiner Mutter zu ähnlich) zu entsprechen, die ich herausgefunden habe, und nach denen ich sterben soll, aber die Kriterien haben mich nicht ins Sein gerufen… Das Problem auf die Mutter zu verlagern wegen fehlenden Bewusstseins beim Kind ändert da nichts. Zu wünschen, dass es rückgängig gemacht werde, ist aber nochmal was Anderes. Lady_in_black, ich glaube, wir sollten dabei bleiben. Ich fand es aber unheimlich bereichernd, Deine Gedanken auf diesem Faden verfolgen zu können. Ich werde diesen Monat nur noch am 16. in der Früh vielleicht ans Internet kommen, wenn Du mir in der Zwischenzeit den Gefallen tätest, mir eine Personalnachricht zu schreiben… Wär froh. Man spürt an Dir so richtig, dass man von einer Begegnung mit Lehren fürs Leben 'rauskommt. Liebe Grüße Eichkätzele
nunja auch die entscheidung gegen abtreibung ist eine entscheidung die über den kopf des kindes hinweg getroffen wird. da dreht man sich im kreis, beides ist eine entscheidung. wenn man religiöse (unbeweisbare) vorstellungen außen vor lässt, sehe ich keinen grund warum diese vorzuziehen sein sollte. die lösung der weltprobleme beginnt sicher nicht mit abtreibung, da läuft viel mehr schief, das stimmt. jedoch sollte die entscheidung für abtreibung gleichberechtigt neben der entscheidung gegen abtreibung existieren dürfen und es sollte anerkannt werden, dass es in einigen fällen die bessere wahl sein kann. und dass das kind bekommen und "irgendwie" dafür zu sorgen dass sein körper es ins erwachsenenalter schafft eben nicht das ulimative patentrezept ist.
ps: ich finde es höchst manipulativ babys mit all ihren möglichen eigenschaften zu beschreiben und bei den lesern hier und vermutlich auch den frauen in der beratung damit zu versuchen den eindruck von babymord zu erwecken. zum zeitpunkt der abtreibung sind das keine babys, sondern wachsende zellhaufen ohne bewusstsein. auch wenn man mit der frühen entwicklung des herzens und anderer organe argumentieren kann, so ist die hirnrinde vor der 40. ssw und damit das bewusstsein nicht entwickelt. das ist der stand der wissenschaft, alle anderen behauptungen fallen ins reich der fantasie. [Anm. d. Red.: An dieser Stelle wurde ein Link auf eine Seite mit irreführenden und falschen Informationen entfernt.] aber wie bereits mehrfach erwähnt, das sollte keine diskussion werden, sondern der thread soll lediglich in die entscheidungsfindung von unentschlossenen einfließen können. bei den ganzen pro-kind vereinen ist die gegenseite ohnehin stark unterrepräsentiert.
diese Seite hier heißt "Pro Femina" (für Frau), und nicht pro-kind. Es geht um die Frau. Was möchte sie? Wenn sich eine Frau die Mühe macht, hier zu schreiben, dann sucht sie Alternativen zu abtreibung. Wenn eine Frau von sich aus abtreiben will, dann tut sie es ohnehin und macht sich keine Gedanken darüber. Habe ich falsch gelesen? Hier schreiben Frauen die unter Druck stehen, die vom Vater des Kindes oder Eltern oder Umgebung zur abtreibung gedrängt werden, selber es aber nicht möchten. Sie suchen hier Beistand und Alternativen. Ja Lady, so ähnlich wie dein und mein Leben angefangen hat, so grundverschieden ist es verlaufen. Es ist unsere Entscheidung wohin wir schauen wollen. Mich hat das Schöne überwältigt, dich scheint das Schmerzliche in die Tiefe zu ziehen. Wenn man den Film "Das Leben ist schön" gesehen hat, dann möchte man auch so lieben wie der Vater seinen Sohn und Frau geliebt hat und fragt nicht ob mich jemand liebt. Übrigens, wer hilft einer Frau wenn sie nach der abtreibung seelische Probleme hat? Wer nimmt sie ernst? Du hast recht. Patentlösungen gibt es keine. Es gibt auch keine Garantie das unser Leben schön und glücklich wird, das ist eine persönliche Entscheidung die uns niemand abnehmen kann, und niemand kann sie uns wegnehmen. Was für eine Freiheit! Niemand kann bestimmen wie ich mich fühle. Keine Menschen, keine Umstände. liebe grüße rahel
Danke soweit reicht mein englisch grade noch Das pro kind war darauf bezogen, dass ein ganzer verein weiter oben zu pro kind stellung bezogen hat. Nicht alle frauen gehen aus dem grund zur beratung. Viele werden von freunden oder familie gedrängt dort hin zu gehen. Ich meine auch dass es in einigen bundesländern pflicht ist vor einer abtreibung eine solche beratungsteilnahme vorzulegen. Aber du hast insofern recht dass den frauen die das kind wirklich wollen und die von außen zur abtreibung gedrängt werden, unterstützung erhalten müssen.
deine Geschichte geht echt unter die Haut. Depressionen, Burnout, Bulimie, Sodbrennen, Alpträume und Bauchschmerzen, du wachst nachts weinend auf und trägst einen riesigen Zornesknoten im Bauch. Die Umstände empfindest du als so schwerwiegend, dass sie dein ganzes Leben derartig überschatten, dass du dir wünschst, du wärst nie geboren worden. Dein Name hier ist bestimmt kein Zufall, so düster, wie du dein Leben beschreibst. Sicherlich gehörst du zur „Gothic“ bzw. „Schwarzen Szene“. Religion ist für dich offenbar ein Reizwort. Liegt das daran, dass du deine Geburt auf religiösen Druck zurückführst? Du hättest deine unterlassene Abtreibung selbst „nachholen“ können. Aber für dich macht es einen gewaltigen Unterschied, nie existiert zu haben oder sich später umzubringen. Und du hast nicht generell ein Problem zu leben. Du schreibst sogar: „Leben kann toll sein“ und „es in meinem Leben auch positive Dinge gab und gibt“. Weil du deine persönlich Lebensbilanz trotzdem mit einem dicken MINUS abschließt, bist du zu einer überzeugten Abtreibungsbefürworterin für Frauen, die ungewollt schwanger sind, geworden. Diese deine Formulierung wundert mich. Ich kenne etliche Aktivistinnen, die sich sehr für ein angebliches Recht auf Abtreibung einsetzten. Sie legen jedoch großen Wert darauf, nicht pro-Abtreibung zu sein, sondern sich für Wahlfreiheit einzusetzen. Du dagegen verallgemeinerst deine eigenen Erfahrungen und bist dadurch von vornherein festgelegt, und willst diese Einstellung ungewollt Schwangeren nahe bringen. Profemina schreibt: „Wir glauben, dass eine Schwangere nur dann wirklich selbstbestimmt und frei entscheiden kann, wenn sie eine echte Alternative für ein Leben mit ihrem Baby hat.“ Da sehe ich auch so. Darum sucht Pro Femina nach Möglichkeiten und bietet Hilfen an, denn Leben ist immer die bessere Wahl. Deine Freundin scheint ein ähnliches Schicksal wie du zu haben. Jetzt leidet sie darunter, ihr Kind nicht zu lieben zu können. Weißt du, wenn ich das so lese, und bedenke, dass du „einen riesigen Zornesknoten im Bauch“ trägst, suche ich nach einem Ausweg. Fehlende Liebe und Zorn, was hilft dagegen? - Nur Vergebung! Solange ihr nicht verzeihen könnt, wird sich an eurer Lage nichts ändern. Mir ist völlig klar, dass das von einem Menschen zu viel verlangt ist. Nur wem selbst viel vergeben worden ist und wer sich bedingungslos geliebt weiß, von seinem Schöpfer, der hat die Voraussetzungen, selbst vergeben und lieben zu können. Wurde dir schon gesagt, dass du trotz und mit deiner Lebensgeschichte ein geliebtes Kind Gottes bist? Wenn du einwilligst, verwandelt er dein MINUS ein dickes PLUS.
auch wenn es nichts zur sache tut, deine einschätzung bezüglich meines nicknames ist korrekt - und zufällig mag ich auch das lied von uriah heep. ich bin vieles, gothic, biochemikerin (fast schon ironie des schicksals, mein interesse für medikamente und gifte die mich aus dem leben befördern hat mich am 2. bildungsweg zu meinem beruf gebracht) freundin, vegetarierin, tierschützerin, feministin, atheistin usw. - ich weiß nicht warum es dir wichtig ist zu welcher "szene" ich gehöre? "deine Geburt auf religiösen Druck zurückführst?" -> ja, darauf und auf die unfähigkeit meiner mutter sexuelle verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu verhüten. aber meine abneigung gegen religionen ist noch viel tiefer begründet, das war nur der grund mich ausführlich mit dem thema zu beschäftigen. aber ich möchte auch dazu keine grundsatzdiskussion führen - zum einen ist dies das falsche forum und ich habe besseres zu tun. alle erwachsenen menschen dürfen sich gerne im namen ihres glaubensystems so viel einschränken und vorschreiben lassen wie sie gerne möchten, grantig werde ich nur wenn aufgrund dessen die unschuldigsten wesen überhaupt, babys und kleine kinder darunter leiden müssen. und sei so gut und lies meine beiträge und die von pro femin nochmal, denn da hast du einiges scheinbar überlesen. zb profemina: "Die große Mehrheit der Schwangeren, die sich an uns wenden, entscheiden sich nach unserer Beratung für ihre ungeborenen Kinder." "Hat irgendwer das Recht, dies für einen anderen Menschen zu entscheiden, und zwar lange bevor dieser selbst befragt werden und etwas dazu sagen konnte?" "Niemals darin, diesen Menschen - ob geboren oder ungeboren – die Chance zu nehmen weiter zu leben, für sein Leben Verantwortung zu übernehmen und es zu verändern." -> also von wegen völlig neutral... und auch der vorwurf mir gegenüber dass ich ja allen ungewollt schwangeren zur abtreibung rate - das ist nicht korrekt. siehe: " jedoch sollte die entscheidung für abtreibung gleichberechtigt neben der entscheidung gegen abtreibung existieren dürfen und es sollte anerkannt werden, dass es in einigen fällen die bessere wahl sein kann." "Aber du hast insofern recht dass den frauen die das kind wirklich wollen und die von außen zur abtreibung gedrängt werden, unterstützung erhalten müssen." nocheinmal: ich mache lediglich auf ein tabuthema aufmerksam welches es offiziell in unserer gesellschaft nicht gibt, nicht geben darf. kaum jemand traut sich darüber zu sprechen. betroffene mütter schämen sich und haben angst vor verurteilung und betroffenen kindern ist oft bis ins erwachsenenalter nicht bewusst dass sie betroffen sind. sie wissen nicht was mit ihnen nicht stimmt. sie sind krank - behandelt werden symptome, die ursache bleibt oft unklar. natürlich gibt es auch frauen die ungewollt schwanger wurden, das kind bekommen, es dann auch lieben und die entscheidung niemals bereuen und das kind ohne schaden erziehen - ABER es ist nicht immer so. und mütter die von haus aus unsicher sind ob sie das alles schaffen, denen sollte man nicht nur das blaue vom himmel erzählen, dass ja immer alles gut wird. sie sollten auch um die möglichkeit wissen, dass es schief gehen kann. ihnen muss bewusst gemacht werden, dass sie für ein neues leben verantwortlich sind und zwar mehr als die meisten glauben. es reicht nicht babys zu füttern und die windeln zu wechseln, einer mutter wird sehr viel mehr abverlangt. die falsche entscheidung, für oder gegen abtreibung kann in beiden fällen mit einer persönlichen lebenslangen hölle enden. " Fehlende Liebe und Zorn, was hilft dagegen? - Nur Vergebung! " -> es ist schwer jemandem zu vergeben der nicht um vergebung bittet, dem seine verbrechen noch nichteinmal bewusst sind... so, ich hoffe ich habe mich nun unmissverständlich ausgedrückt und dass meine schilderungen der einen oder anderen schwangeren verzweifelten frau helfen mögen in welche richtung auch immer, die für sie zu dem zeitpunkt richtige entscheidung zu treffen.
Weißt Du was? Deine Argumentation ist auf dem Evangelium begründet, denn Jesus sagt von Judas: "Es wäre besser für ihn, wenn er nicht geboren worden wäre" (Mk 14:21). Selbst ohne den Verrat von Judas: Wenn auf Gerechtigkeit und ewiges Glück keine Hoffnung ist, dann soll man besser dann sterben, wenn man unschuldiger (sprich: jünger. Die Ehebrecherin wollten zunächst die Älteren nicht mehr steinigen, weil ihnen gesagt worden war: "Wer nie gesündigt hat, werfe ihr den ersten Stein" (Jo 8:7)) ist, damit man dann wenigstens nicht zu schlecht kommt. Es bleibt nur noch die Frage der Verantwortung übrig zu beantworten: Sagt Jesus das von Judas nicht im Vorwissen, dass dieser sich erhängt? Dann wäre womöglich das Argument für den Selbstmord: Ich wäre lieber nie geboren, erst eine Konsequenz dessen. Was die Vergebung angeht, darf ich jetzt mal noch ein bisschen Evangelium deuten, aber zunächst einmal einen Atheisten: Antoine de Saint-Exupéry. Die Vergebung ist in Deinem Fall dehalb so schwer, weil sie die menschlichen Grenzen übersteigt. Aber wir wollen mal zunächst sehen, was geben und vergeben denn menschlich bedeuten. Du kennst wohl die Geschichte der Rose im "Kleinen Prinzen": Sie ist ziemlich selbstsüchtig, was den Kleinen Prinzen etwas verletzt, weil er sie liebt. Auf Erdnen sagt ihm der Fuchs, die Rose sei ihm deshalb so wichtig und sei deshalb seiner Zuwendung würdig, weil er ihr seine Zeit gebe. Das Geben würdigt also den Empfänger im Bezug auf den Spender. In "Terre des hommes" (dürfte auf Deutsch so was wie "Menschenerde" heißen) schreibt Saint-Exupéry von einem Sklaven, den er zusammen mit Freunden freigekauft hatte. Dieser häufte Schulden an, indem er bei jeder Gelegenheit Dinge herschenkte. Das Schenken war das, was ihm unmöglich war, als er Sklave war, ja das zeigte, dass er über etwas Herr war. Das Geben würdigt also ebenso den Spender. Wie weit stellte sich Saint-Exupéry vor, geben zu können? Er ist auf einer militärischen Erkundungsmission verschollen, das Leben geben wollte er ja vermutlich irgendwie schon von jeher (wie wäre er sonst Pilot geworden?). Aber er war ein Mensch, der das Leben nur von der besten Stelle aus betrachtete: Nur das Leben des Pilots selbst, der zusammen mit seiner wunderbaren Maschine fühlte und so allein in den Kampf gegen den Himmel zog, war ihm vollkommen lebenswert. Man hätte ihn wohl schwerlich nach dem Leben eines von seiner Mutter ungeliebten Mädchens fragen, denn das wäre vermutlich außerhalb seines Blickwinkels gewesen. Ja, der erste zu sein, der dem gibt, der ihm schon was gestohlen hat. Das kann nicht jeder, auch nicht jeder Christ. Aber gerade das ist göttlich: Selbst vom Himmel herabzukommen, um als Gläubiger selbst die Schuld seines Schuldigen zu tilgen. Verstehe mich richtig: Ich habe nicht mal in Erwägung gezogen, Dir auch nur ein Stück zu zeigen, wie es langgeht. Ich weiß es selber nicht. Ich habe nur versucht, zu zeigen, dass die edelste Art der Selbstverwirklichung das Geben, ja die Aufopferung seiner selbst ist, und dass dies nur im Glauben uneingeschränkt möglich ist. War neulich auf der Jubiläumsfeier der Weihe eines prominenten Priesters und durfte bei der Predigt (die ein extra dafür 300km hergefahrener, befreundeter Priester hielt) beobachten, wie stolz er auf den Prediger schauen konnte, als dieser sagte, für die Erweckung wie vieler Seelen in etwa er verantwortlich sei. Das war das erste Mal überhaupt, dass ich ihn so sah. In Verbundenheit, Eichkätzele